Wie Vögel die Welt (nicht) sehen
13. Mai 2008 12:16 Drucken
Vögel sehen zu gut, als dass menschliche Forscher ihre Sicht der Welt ohne weiteres nachvollziehen könnten. Diese Ansicht bekräftigt eine Studie eines schwedisch-englischen Forscherduos. Aufgrund ihres feineren Farbensehens fallen Vögeln häufig andere Kontraste ins Auge als Menschen.
Maskentölpel und ihre gefiederte Verwandtschaft sehen mehr Farbfacetten als Menschen. Foto: Andy Collins, NOAA Northwestern Hawaiian Islands Coral Reef Ecosystem Reserve
Dieses Phänomen könne beispielsweise dazu führen, dass einem Vogel das Gefieder eines potenziellen Paarungspartners als besonders attraktiv erscheine, menschlichen Betrachtern aber nur als mäßig prachtvoll, erläutert Anders Ödeen von der Universität Uppsala. “Das bedeutet, dass viele Studien zur sexuellen Selektion noch einmal begutachtet werden müssen.”
Während das menschliche Auge drei Farbrezeptoren besitzt, finden sich im Vogelauge vier Rezeptoren, die zudem auch auf ultraviolettes Licht ansprechen. Doch erst seit einigen Jahren würden in der Forschung entsprechend speziesspezifische Untersuchungsmethoden eingesetzt, schreiben Ödeen und sein Kollege Olle Håstad von der Universität Bristol im Fachblatt “American Naturalist”.
Die Forscher versuchten, die Folgen für ältere Studien abzuschätzen. Dazu betrachteten sie das Gefieder von 67 Vogelarten mit Hilfe von Modellen, die den Sehvorgang in der Netzhaut von Mensch und Vogel nachahmen. In 26 Fällen ergaben sich deutliche Unterschiede in der Bewertung der Farbenpracht und der Kontrastwirkung einzelner Farbflecken.
“Daraus folgt, dass mehr als ein Drittel der älteren Studien möglicherweise auf fehlerhafter Information aufbaut”, folgert Ödeen. Aus Sicht der Vögel befänden sich menschliche Forscher in der Situation von Farbenblinden auf einer Modenschau. Umgekehrt dürften sich Forscher nicht verleiten lassen, von ihrer eigenen Wahrnehmung auf die von Tieren mit einem deutlich schlechteren Farbsinn zu schließen.
Forschung: Olle Håstad, School of Biological Sciences, University of Bristol, und Anders Ödeen, Evolutionsbiologiskt Centrum, Uppsala Universitet
Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 171, pp 831-8, DOI 10.1086/587529
WWW:
Biological Sciences, University of Bristol
Evolutionsbiologiskt Centrum, Uppsala Universitet
Farbensehen
Farbe
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