Kannibalismus treibt Heuschrecken an
9. Mai 2008 13:48 Drucken
Wenn einzelgängerische Heuschrecken plötzlich Schwärme aus Abermillionen Tieren bilden, könnte eine gehörige Portion Fleischeslust mit im Spiel sein. Eine internationale Forschergruppe hat ermittelt, dass die Gruppenbildung schwächer ausgeprägt ist, wenn die Insekten ihre Hintermänner nicht mehr wahrnehmen können. Gleichzeitig wird etwa jedes zweite Tier mit einem derartigen Handicap von seinen Artgenossen angeknabbert.
Foto: USAID/Yene T. Belayneh
“Die im hohen Maße koordinierte Bewegung im Schwarm erleichtert also nicht nur das Verlassen nahrungsarmer Regionen”, schließen die Forscher um Sepideh Bazazi und Iain Couzin von den Universitäten Oxford und Princeton. Offenbar stelle sich im Schwarm auch ein Gleichgewicht ein zwischen der Flucht vor dem Hintermann und der Jagd auf den Vordermann.
Nicht von ungefähr zählen Wanderheuschrecken zu den biblischen Plagen. Sobald ihre Populationsdichte einen kritischen Wert überschreitet, bilden die Tiere riesige Schwärme, die ganze Landstriche kahl fressen und so Hunger und Elend über die dort lebenden Menschen bringen können. Frühere Studien hatten gezeigt, dass sich das Schwarmverhalten von selbst ergibt, wenn sich jede Heuschrecken nur an ihren Nachbarn ausrichtet. Die neuen Resultate machten verständlich, warum die Tiere dies tun sollten, schreiben die Forscher.
Ihre Versuche führten Bazazi und Kollegen mit jungen, noch flugunfähigen Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) in der Schwarmphase durch. Einigen Tieren war zuvor das Bauchmark direkt hinter der Brust durchtrennt worden, sodass sie keine Berührungssignale mehr aus dem Hinterleib wahrnahmen.
Einzeln in einen kreisförmigen Korridor gesetzt, bewegten sich diese Tiere nicht anders als Kontrolltiere. Gruppen aus 15 solcher Tiere marschierten dagegen deutlich seltener im Gleichschritt als Gruppen von Kontrolltieren. Auch wiesen 45 Prozent dieser Tiere nach den Versuchen Bissverletzungen auf, während es in der Kontrollgruppe nur 8 Prozent waren.
Forschung: Sepideh Bazazi, Department of Zoology, University of Oxford; Iain D. Couzin, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Princeton University, Princeton, New Jersey; und andere
Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18, 20. Mai 2008, DOI 10.1016/j.cub.2008.04.035
WWW:
Zoology Department, University of Oxford
Collective Animal Behavior Lab, Princeton University
Locust FAQ, UN Food and Agricultural Organization
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