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Mentaler Zahlenstrahl bei Kindern

Donnerstag, 8. Mai 2008, 16:22 • Rubrik Mathematik, Psychologie, Schule.

Wenn Kinder mit Zahlen hantieren, sehen sie diese auf einer Art Zahlenstrahl vor ihrem geistigen Auge. Belege für diese Ansicht liefert ein Experiment, das Aachener Forscher mit 118 Drittklässlern durchgeführt haben. Stellten sie Zahlen auf einem Bildschirm in einem räumlichen Abstand dar, der nicht zu dem numerischen Abstand passte, löste das merkliche Irritation bei den kleinen Probanden aus.

“Offenbar verarbeiteten die Kinder die beiden Dimensionen nicht unabhängig voneinander”, folgern Jan Lonnemann vom Universitätsklinikum Aachen und seine Kollegen. Dieser Effekt lasse vermuten, dass Grundschüler Zahlen nicht als rein abstrakte Größen sähen, sondern sie mit räumlichen Eigenschaften verknüpften. Besonders ausgeprägt scheint diese Art der Repräsentation bei Jungen zu sein, berichten die Forscher im Fachblatt “Cortex”.

Frühere Studien hatten bereits Hinweise auf einen mentalen Zahlenstrahl bei Erwachsenen geliefert. Lonnemann und Kollegen studierten nun die Verhältnisse bei 66 Mädchen und 52 Jungen im Alter von 8 bzw. 9 Jahren, die sie aus Aachener Grundschulen rekrutiert hatten. Die Kinder sahen auf einem Bildschirm drei zweistellige Zahlen und sollten angeben, welche Differenz größer war – die zwischen der kleinsten und der mittleren Zahl oder die zwischen der mittleren und der größten Zahl. Während die Positionen der äußeren Zahlen feste Positionen auf dem Bildschirm hatten, war die mittlere Zahl mal mehr, mal weniger stark aus der Bildschirmmitte gerückt.

Reaktionsgeschwindigkeit und Fehlerquote der Kinder sanken deutlich, wenn die mittlere Zahl räumlich deutlich an jene Zahl heranrückte, die ihr auch numerisch näher war, beobachteten die Forscher. Umgekehrt taten sich die Kinder relativ schwer mit der Aufgabe, wenn die räumlichen Abstände nicht zu den numerischen passten.

Der Effekt war bei Jungen umso stärker ausgeprägt, je besser diese rechnen konnten. Bei Mädchen war er dagegen minimal schwächer, je besser deren Rechenfähigkeiten waren. Möglicherweise mache sich hier bemerkbar, dass Jungen generell eher räumlich-visuell, Mädchen dagegen eher verbal dächten, so die Forscher.

Forschung: Jan Lonnemann, Helga Krinzingera, André Knops und Klaus Willmes-von Hinckeldey, Neurologische Klinik und BIOMAT, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, Aachen

Veröffentlichung Cortex, Vol. 44(4), pp 420-8, DOI 10.1016/j.cortex.2007.08.015

WWW:
Neurologische Universitätsklinik, Aachen
Der Zahlenstrahl


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