Immer am Wasser entlang

8. Mai 2008 20:00 Drucken

Foto zeigt rotbräunlichen Boden, darin ein U-förmiges Fundament und Ballen dunklen Materials Nachdem sie die Neue Welt erreicht hatten, verließen sich die ersten Amerikaner noch lange auf die Ressourcen des Meeres. Neue Belege für diese Ansicht präsentieren Forscher aus den USA und Chile im Magazin “Science”. In der ältesten bekannten Siedlung im Süden Chiles wurde demnach reichlich Gebrauch von Seetang gemacht - und das, obwohl die Küste mindestens 15 Kilometer weit entfernt war.

In einer der Strukturen in Monte Verde, von den Forschern als mögliche “Medizinhütte” eingeschätzt, fanden sich zahlreiche Ballen aus zerkauten Tang- und anderen Pflanzenresten. Foto: Tom D. Dillehay

Die Entdeckung der neuen Tangfragmente spreche für die Hypothese, dass die Besiedlung Amerikas von den Küsten ausgegangen sei, schreiben die Forscher um Tom Dillehay und Carlos Ramírez von der Vanderbilt University und der Universidad Austral de Chile. Überreste von mittlerweile ausgestorbenen Rüsseltieren und Lamas sowie von Kartoffeln und anderen Pflanzen zeigten allerdings, dass sich die ersten Amerikaner auf ihrem Weg genügend Zeit gelassen hätten, um sich an das Binnenland anzupassen.

Die Tangreste fanden sich in gut 30 Litern bislang nicht näher studierter Erde, die bei Ausgrabungen in Monte Verde angefallen war. Nahe der südchilenischen Stadt Puerto Montt gelegen, war die Siedlung im Jahr 1976 entdeckt worden. Nach jahrelanger Diskussion gehen die meisten Anthropologen und Archäologen heute davon aus, dass hier schon vor über 14.000 Jahren Menschen lebten. Die Radiokohlenstoff-Datierung der neuen Funde bestätige, dass Monte Verde gut eintausend Jahre älter sei als alle anderen Spuren von Menschen in Nord- und Südamerika, schreiben die Forscher.

Dillehay, Ramírez und Kollegen konnten die Tangfragmente fünf Gattungen von Braun- und Rotalgen (Macrocystis, Gigartina, Mazzaella, Porphyra und Sarcothelia) zuordnen, die bislang nicht aus Monte Verde bekannt waren. Zudem fanden sie Reste der Grünalgengattung Trentepohlia, die nicht im Meer gedeiht, sondern auf Bäumen und Steinen in Küstennähe.

“Der Tang selbst war keine Überraschung”, erklärt Dillehay, “sehr wohl aber der Fund von fünf neuen Vertretern in einer derartigen Häufigkeit.” Ausgehend von den bevorzugten Lebensräumen der Tange, müssten einige von den westlich gelegenen Sandstränden über eine Entfernung von gut 90 Kilometern nach Monte Verde geschafft worden sein. Vielleicht wurden sie als Medizin eingesetzt und waren daher von besonderem Wert für die Monteverder, glauben die Forscher.

Forschung: Tom D. Dillehay und Carlos Ramírez García, Department of Anthropology, Vanderbilt University, Nashville, Tennessee, und Instituto de Ciencias Sociales und Instituto de Botánica, Universidad Austral de Chile, Valdivia; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 320, 9. Mai 2008, pp 784-6, DOI 10.1126/science.1156533

WWW:
Anthropology, Vanderbilt University
Instituto de Botánica, Universidad Austral de Chile
The Peopling of the American Continents
Algen

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