Eiserner Schnee im Merkur?
7. Mai 2008 19:49 Drucken
Einem ganz besonderen “Schnee” verdankt der Merkur möglicherweise sein schwaches Magnetfeld. Hochdruck-Experimente amerikanischer Geowissenschaftler haben ergeben, dass ständig Flocken aus Eisen auf den Kern des sonnennächsten Planeten herabschneien könnten.
Der stete Strom aus aufsteigendem und wieder herabsinkendem Eisen könnte – ähnlich wie der Stromfluss in einer Spule – zu dem schwachen Magnetfeld des kleinen Merkur beitragen, glauben Jie Li von der University of Illinois und ihre Kollegen. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Geophysical Research Letters”.
Planetenforscher vermuten, dass der Merkur einen Kern aus Eisen und Schwefel birgt, der zumindest teilweise geschmolzen sein könnte. Um mehr über die Vorgänge tief unter der Oberfläche des Planeten zu erfahren, setzten Li und Kollegen das Material in einer Stempelpresse hohen Drücken und Temperaturen aus.
Die Begutachtung der erstarrten Schmelzen zeigte, unter welchen Bedingungen diese noch homogen war und unter welchen eine der beiden Komponenten auskristallisierte. “Auf Basis dieser Versuchsresultate können wir folgern, was im Kern des Merkur vor sich geht”, erklärt Lis Doktorand Bin Chen.
Indem das geschmolzene Eisen-Schwefel-Gemenge im äußeren Kern langsam abkühlt, kristallisiert demnach ein Teil des Eisens aus. Die resultierenden “Flocken” sinken gen Zentrum des Planeten. Gleichzeitig sorgt der steigende Schwefelgehalt der Schmelze dafür, dass nicht alles Eisen auf einen Schlag erstarrt. Ganz ähnliche Prozesse laufen möglicherweise auch in anderen Planeten und Monden ab, vermuten die Forscher.
Forschung: Bin Chen und Jie Li, Department of Geology, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana, und Steven A. Hauck II, Department of Geological Sciences, Case Western Research University, Cleveland, Ohio
Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 35, L07201, DOI 10.1029/2008GL033311
WWW:
Geology Department, University of Illinois at Urbana-Champaign
Mercury
Phasendiagramm
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