Posted in: Gesundheit, Medizin 29. April 2008 06:00 Weiter lesen →

Weniger Allergie-Potenzial in Hunde-Haushalten

Foto zeigt einen etwa hüfthohen Irischen Wolfshund mit zotteligem hellgrauen Fell neben einem kaum wadenhohen Chihuahua mit weißem Fell auf einer grünen Wiese vor strahlend blauem Himmel Wachsen Kinder in einem Haushalt mit Hund auf, reagiert ihr Immunsystem besonders gelassen auf Pollen und andere Allergene. Das haben deutsche Forscher anhand der Daten von mehr als 3.000 Familien ermittelt. Im Alter von sechs Jahren weisen solche Kinder bis zu 50 Prozent seltener Zeichen einer Sensibilisierung auf als solche aus Familien ohne Hund.

Zwei gute Gründe, vor die Tür zu gehen. Foto: Maggie Bartlett, NHGRI

Regelmäßiger Kontakt mit Hunden außerhalb des familiären Umfelds scheint dagegen mit keinem Schutzeffekt einherzugehen, berichten Joachim Heinrich vom Helmholtz-Zentrum München und von der Universität München im „European Respiratory Journal“. Ihrer Ansicht nach könnten der regelmäßige Aufenthalt im Freien, wie er sich aus dem Besitz eines Hundes ergibt, und vom Hund in die Wohnung getragene Mikroben zu der geringeren Sensibilisierung beitragen.

Ob und wie sich Hunde, Katzen und andere Haustiere auf die Entwicklung des Immunsystems auswirken, wird in der Fachwelt nach wie vor diskutiert. Die bisherigen Studien hatten widersprüchliche Resultate erbracht. Heinrich und Kollegen analysierten nun Daten von Kindern aus München, Leipzig, Wesel und Bad Honnef, deren Werdegang seit der Geburt im Rahmen zweier groß angelegter Studien verfolgt wird.

Unter anderem waren die Eltern regelmäßig zu eventuellen Symptomen einer Allergie bei ihrem Nachwuchs befragt worden. Im Alter von sechs Jahren wurde das Blut der Kinder zudem auf Antikörper (IgE) untersucht, die eine besondere Sensibilisierung gegenüber Pollen, Katzen, Hunden, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzen anzeigen und bei allergischen Reaktionen eine zentrale Rolle spielen.

Zwar fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen Hunden im Haushalt und einer Sensibilisierung gegenüber Hunden. Sensibilisierungen gegenüber den übrigen Allergenen waren bei Kindern aus Hunde-Haushalten jedoch deutlich seltener. Der Gehalt an Endotoxinen in den Matratzen von Kind und Mutter konnte nicht zur Erklärung dieses Phänomens beitragen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass diese Moleküle aus bakteriellen Zellwänden „mäßigend“ auf das Immunsystem wirken.

Um mehr darüber zu erfahren, wie die Verbindung zwischen Hund und Immunsystem zustande kommt und ob sie von Dauer ist, wollen Heinrich und Kollegen die Kinder im Alter von zehn Jahren erneut untersuchen. Allein auf Basis der aktuellen Resultate solle sich niemand einen vierbeinigen Freund zulegen, so der Forscher: „Solange wir die Mechanismen, die dem schützenden Effekt eines Hundes zugrunde liegen, nicht verstanden haben, können wir keine weiteren Schlüsse ziehen oder Empfehlungen aussprechen.“

Forschung: Chih-Mei Chen, H.-Erich Wichmann und Joachim Heinrich, Institut für Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum München, Neuherberg, und Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München; und andere

Veröffentlichung European Respiratory Journal, Vol. 31(5), pp 963-73, DOI 10.1183/09031936.00092807

WWW:
Institut für Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum München
Deutscher Allergie- und Asthmabund
Allergikerkarriere – Sensibilisierung und Gegenreaktion
Endotoxine

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mastzellen gegen Bakterien
Mehr Asthma in feuchten Wohnungen
Asthma kommt klassenabhängig

Posted in: Gesundheit, Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 3,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.