Posted in: Anthropologie 28. April 2008 14:21 Weiter lesen →

Aufrechter Gang nicht für Nachwuchs

Foto zeigt junge Frau mit Atemmaske, Kinderpuppe an der Hüfte, auf einem Laufband Warum sich der Mensch im Laufe der Evolution auf seine Beine erhob, ist unter Anthropologen umstritten. Zumindest eine Erklärungsmöglichkeit glauben englische Forscherinnen nun ausschließen zu können. Ihren Experimenten zufolge, bedeutet das Tragen eines Kindes einen derart hohen Energieaufwand, dass es die Entwicklung des aufrechten Gangs kaum vorangetrieben haben dürfte.

Die energetisch ungünstigste Art, eine Last zu transportieren. Foto: University of Manchester

“Eine der häufiger angeführten Erklärungen ist, dass der aufrechte Gang die vorderen Gliedmaßen frei machte und so das Tragen von Kindern und anderen Objekten ermöglichte”, erklärt Johanna Watson von der University of Manchester. “Affen dagegen müssen ihren Nachwuchs nicht tragen, weil sich dieser mit Händen und Füßen festklammern kann.”

Watson und Kolleginnen gingen der Frage nach, wie plausibel die Trage-Erklärung aus energetischer Sicht ist. Für ihre Studie konnten sie sieben jüngere Frauen gewinnen. Diese gingen mit konstanter Geschwindigkeit auf einem Laufband und trugen dabei eine Last von 10 Kilogramm – entweder in Form einer beschwerten Weste, zweier Hanteln, einer einzigen Hantel oder aber einer Kinderpuppe, die auf der Hüfte ruhte. Je nach Verteilung der Last zeigten sich erhebliche Unterschiede im Sauerstoffverbrauch, berichten die Forscherinnen im “Journal of Human Evolution”.

“Das Tragen einer unhandlichen asymmetrischen Last, beispielsweise eines Kindes, an einer Körperseite ist die energetisch kostspieligste Art, eine Last zu transportieren”, erklärt Watson. Falls das Tragen eines Kindes nicht erhebliche Vorteile auf anderen Gebieten mit sich gebracht habe, “war es sehr wahrscheinlich keine treibende evolutionäre Kraft hin zur Zweibeinigkeit”.

Watson und Kollegen wollen nun Vergleichsuntersuchungen mit Menschenaffen durchführen. Zudem wollen sie Computermodelle von Frühmenschen mit ihren relativ langen Armen und kurzen Beinen erstellen, um mehr über den Einfluss von Statur und Haltung auf den Trage-Aufwand zu erfahren.

Forschung: Johanna C. Watson und William I. Sellers, Faculty of Life Sciences, University of Manchester; Rachel C. Payne, Structure and Motion Laboratory, Royal Veterinary College, Hatfield; und andere

Veröffentlichung Journal of Human Evolution, DOI 10.1016/j.jhevol.2007.10.004

WWW:
Animal Simulation Laboratory, University of Manchester
Structure and Motion Laboratory, Royal Veterinary College
Early Hominins
Anatomy of a Walk

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