Eruptiver “Global Player”
24. April 2008 | Druckversion
Der Ausbruch eines Andenvulkans im Jahr 1600 war vermutlich weltweit spürbar. Entsprechende Hinweise haben zwei amerikanische Geowissenschaftler zusammengetragen. Ihre Recherche ergab, dass sich nach dem Ausbruch des Huaynaputina in allen Teilen der Welt ungewöhnliche klimatische und in der Folge auch landwirtschaftliche und soziale Bedingungen einstellten.
Foto: Julien Grondin /iStockphoto
Im Süden Perus gelegen, ist der Huaynaputina heute ein relativ unauffälliger Vulkan. Bei seinem explosiven Ausbruch im Februar 1600 töteten die resultierenden Gas-, Gesteins- und Schlammströme allerdings Tausende Menschen. Der ausgestoßene Schwefel - einige Forscher schätzen seine Masse auf bis zu 55 Megatonnen - führte zudem zur Bildung eines Aerosolschleiers, der einige Monate in der Atmosphäre verweilte und die Wolkenbildung und die Reflexion des einfallenden Sonnenlichts verstärkte.
Nicht nur für die spanischen und portugiesischen Kolonien in Südamerika waren die Jahre nach dem Ausbruch ungewöhnlich, haben Kenneth Verosub von der University of California in Davis und sein Student Jack Lippman ermittelt. Schon seit geraumer Zeit fahnden die beiden Forscher in zeitgenössischen Berichten nach Auffälligkeiten, wie sie auf den Vulkanausbruch zurückgehen könnten. Demnach scheint der Huaynaputina auch in Nordamerika, in Europa, Russland, China, Japan und auf den Philippinen spürbar gewesen zu sein.
Zu den Folgen könnten nach Ansicht der Forscher die schweren Hungersnöte zählen, die das russische Reich in den Jahren 1601-03 heimsuchten. In der Folge verlor der damalige Zar Boris Godunow seinen Thron. In Frankreich konnte im Jahr 1601 erst spät mit der Weinlese begonnen werden, während in deutschen Landen nur wenige Trauben überhaupt die nötige Reife erlangten. Die Häfen des Baltikums waren in den Jahren 1600-02 besonders lange vom Eis blockiert und auch der Suwasee in Japan war zeitiger als sonst in einem 500-Jahres-Zeitraum von Eis bedeckt. In China wurde zudem eine ungewöhnlich späte Pfirsichblüte vermerkt.
Aus besonders schwach ausgeprägten Jahresringen wisse man bereits, dass in den Jahren nach dem Ausbruch kühle Bedingungen geherrscht hätten, erklärt Verosub. Über die Konsequenzen für die Menschen sei bislang jedoch kaum etwas bekannt gewesen. “Streng genommen können wir nicht beweisen, dass in allen Fällen der Vulkan die Ursache war”, gibt der Forscher zu bedenken. Wenn man zeigen könne, dass 1601 auf der ganzen Welt ein schlechtes Jahr gewesen sei, wäre das aber ein starkes Indiz.
Forschung: Kenneth L. Verosub und Jack Lippman, Department of Geology, University of California, Davis
Veröffentlichung Eos
WWW:
Geology Department, UC Davis
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