Damenwahl erhält Vielfalt
24. April 2008 | Druckversion
Auch Eidechsen legen Wert auf Abwechslung im Liebesleben, hat eine australische Biologin beobachtet. Wenn sie die Wahl haben, gesellen sich weibliche Agamen am liebsten zu Gruppen unterschiedlich gefärbter Männchen. Vermutlich wollen sie auf diese Weise sicherstellen, dass unter ihren Geschlechtspartnern zumindest einige mit “guten” Genen sind.
Eine derart betonte “Vielmännerei” könnte erklären, warum es unter den Männchen überhaupt zwei Farbvarianten gebe, schreiben Mo Healey von der University of Wollongong und zwei Kollegen im Fachblatt “Ethology”. Eigentlich sollte man nämlich erwarten, dass die beiden Varianten den täglichen Kampf um Überleben und Fortpflanzung nicht gleich gut bewältigten und daher eine von ihnen längst verdrängt worden sei. Die Vorlieben der Weibchen könnten hier jedoch für einen Ausgleich sorgen.
Healey und Kollegen studierten die kleine australische Agame Ctenophorus pictus. Aus Gründen, die noch nicht völlig geklärt sind, paaren sich die Weibchen der Art mit möglichst vielen Männchen. Dabei haben sie grundsätzlich die Wahl zwischen solchen mit leuchtend rot bzw. gelb gefärbten Köpfen. Bei ihren Experimenten fand die Forscherin, dass die Weibchen keinerlei Farbvorliebe zeigen, wenn sie mit jeweils nur einem Männchen einer Variante konfrontiert werden. Haben sie dagegen die Wahl zwischen einheitlich oder unterschiedlich gefärbten Duos, entscheiden sie sich häufiger für die Vielfalt.
Die Experimente der Gruppe ergaben zudem, dass Weibchen, die sich mit vielen unterschiedlichen Männchen gepaart haben, mehr Nachwuchs hervorbringen als solche, die von wenigen Männchen oder mehrmals von nur einem Männchen begattet worden sind. Allein auf Basis der Kopffarbe der Partner könnte ein Weibchen also seinen Fortpflanzungserfolg optimieren. Dieser Vorteil hat allerdings seinen Preis: Indem die Weibchen in der freien Wildbahn von einer Männchengruppe zur anderen wechseln, scheinen sie häufig Fressfeinden zum Opfer zu fallen.
Forschung: Mo Healey, Tobias Uller und Mats Olsson, School of Biological Sciences, University of Wollongong, Wollongong, New South Wales
Veröffentlichung Ethology, Vol. 114(3), pp 231-7, DOI 10.1111/j.1439-0310.2007.01469.x
WWW:
Herp-Ecology Evolutionary Program, University of Wollongong
Ctenophorus pictus
Agamidae
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