Mehr Kalorien, mehr Söhne
23. April 2008 |
Auch beim Menschen gibt es einen Zusammenhang zwischen den Essgewohnheiten der Mutter und dem Geschlecht ihrer Kinder. Entsprechende Resultate hat eine britische Biologin im Rahmen einer Studie mit 740 werdenden Müttern erhalten. Frauen, die sich vor der Schwangerschaft besonders reichhaltig ernährt hatten, bekamen relativ häufig Söhne.
Unter den Studienteilnehmerinnen, die zu dem Drittel mit der höchsten Energiezufuhr in der Zeit vor der Empfängnis gehörten, brachten 56 Prozent Jungen zur Welt, ermittelte Fiona Mathews von der University of Exeter. In dem Drittel mit der geringsten Energiezufuhr lag der Anteil bei 45 Prozent. Für die Zeit nach der Empfängnis zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Ernährung der Mutter und dem Geschlecht des Kindes, berichten die Forscherin und zwei Kollegen in den “Proceedings of the Royal Society B”.
“Unsere Arbeit könnte helfen zu verstehen, warum in den Industrienationen, wo viele junge Frauen nach einer kalorienarmen Ernährung streben, der Anteil der Jungen an den Geburten fällt”, erklärt Mathews. Die Studienresultate deuteten insbesondere auf das Weglassen des Frühstücks als einen wichtigen Faktor hin. Es sei denkbar, dass diese Fortführung des nächtlichen Fastens dem Körper schlechte Umweltbedingungen signalisiere und so Schwangerschaften mit weniger kostspieligen, weiblichen Embryonen begünstige.
Männlicher Nachwuchs stellt bei vielen Tieren schon deshalb eine riskante Investition dar, weil sich häufig nur einige wenige Männchen fortpflanzen, umgekehrt jedoch die meisten Weibchen. Auch beim Menschen sind entsprechende Verhaltensweisen beobachtet worden. Mathews und ihre Kollegen suchten daher zu ermitteln, ob es beim Menschen ebenfalls zu einer physiologischen Geschlechtsauswahl unter dem Nachwuchs kommen kann. Dazu ließen sie Frauen, die mit ihrem ersten Kind schwanger waren, mehrmals umfangreiche Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten ausfüllen.
Die Analyse offenbarte einen klaren Zusammenhang zwischen dem Energiegehalt der Nahrung - nicht jedoch zwischen einzelnen Nährstoffen - und dem Geschlecht des Fötus. Eine ähnliche Verbindung zeigte sich für lediglich eines von 133 abgefragten Lebensmitteln: Je häufiger die Frauen Frühstücksflocken aßen, desto eher bekamen sie Söhne. Frühere Studien ließen vermuten, dass ein besonders geringer zeitlicher Abstand zwischen Eisprung und Befruchtung ebenfalls männlichen Nachwuchs begünstige, schreiben Mathews und Kollegen. Ob allerdings Frauen mit einem hohen Frühstücksflockenverzehr auch ein besonders reges Geschlechtsleben hätten, müsse sich erst noch zeigen.
Forschung: Fiona Mathews, Hatherly Laboratories, School of Biosciences, University of Exeter, Exeter; Paul J. Johnson und Andrew Neil, Department of Zoology und Institute of Health Sciences, University of Oxford, Oxford
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2008.0105
WWW:
Ecology and Conservation Biology, University of Exeter
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