Posted in: Gesundheit, Medizin, Sexualität 22. April 2008 06:00 Weiter lesen →

Pubertät benachteiligt Männerherzen

Mikroskopschnitt durch ein Koronargefäß als hell rötlicher mit kräftigem Rand, dessen Inneres zu einem großen Teil mit einer gräulichen Masse gefüllt ist Auch für das Herz bringt die Pubertät markante Veränderungen mit sich. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Mediziner nach einer Langzeitstudie mit 507 Schulkindern. Indem deren Körper reiften, schälten sich bei den jungen Männern schädliche, bei den jungen Frauen hingegen schützende Faktoren für Herz und Kreislauf heraus.

Plaques in den Herzkranzgefäßen beeinträchtigen die Blutversorgung des Herzmuskels und können letztlich zu einem Infarkt führen. Bild: Courtesy National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI)

Frühere Studien hätten bereits vermuten lassen, dass sich die verschiedenen Geschlechtshormone unterschiedlich auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirkten, erklärt Antoinette Moran von der University of Minnesota. Die neuen Resultate bestätigten diese Ansicht und zeigten, dass der Effekt sehr zügig einsetze. Moran und Kollegen präsentieren ihre Resultate im Fachblatt „Circulation“.

Die Mediziner verfolgten den Werdegang ihrer Studienteilnehmer vom 11. bis zum 19. Lebensjahr. Zu Anfang waren sich beide Geschlechter noch recht ähnlich, was die Ausstattung mit Fett- und Muskelgewebe, die Blutfettwerte oder etwa den Blutdruck betraf. Dann sank im Laufe der Pubertät der Körperfettanteil bei den Jungen, während er bei den Mädchen stieg. Des ungeachtet waren es letztlich die jungen Männer, bei denen sich tendenziell negative Veränderungen einstellten.

Bis zum Ende der Studie stieg der Triglyzeridspiegel der jungen Männer, während der Spiegel des „guten“ HDL-Cholesterins bei ihnen sank. Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den jungen Frauen. Zudem stieg bei ihnen der systolische Blutdruck im Laufe der Zeit weniger stark als bei den Männern. Und während die Körper der elfjährigen Jungen sensibler auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin reagierten als die der Mädchen, kehrten sich die Verhältnisse bis zum 19. Lebensjahr um. Keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigten sich dagegen beim „schlechten“ LDL-Cholesterin und beim Gesamtcholesterin.

So interessant diese Trends auch seien, gingen sie doch auf die normale körperliche Reifung während der Pubertät zurück, betont Moran. Viel bedeutender als geschlechtsspezifische Unterschiede sei die Wirkung von zu viel Körpermasse: „Ob Junge, Mädchen, Mann oder Frau – Übergewichtige haben ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko.“

Forschung: Antoinette Moran, Julia Steinberger, David R. Jacobs, Alan R. Sinaiko, Department of Pediatrics und Department of Public Health Sciences, School of Medicine, University of Minnesota, Minneapolis; und andere

Online-Veröffentlichung Circulation, DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.107.704569

WWW:
University of Minnesota Children’s Hospital
Die Pubertät
Frauengesundheit

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