Posted in: Medizin 22. April 2008 16:21 Weiter lesen →

Graue Hirnsubstanz wächst durch Training

Grafik zeigt Blick von hinten auf das Hirn, markiert Regionen mit höherer Aktivität und höherer Graue-Substanz-Dichte nach dem Training; daneben zwei einfache Ansichten als Orientierungshilfen Ebenso wie Muskeln, können auch einzelne Gehirnregionen bei regelmäßigem Training wachsen. Diese Ansicht bestätigt eine Studie von Forschern aus München und Jena. Nachdem die Teilnehmer zwei Wochen lang das Lesen von Spiegelschrift geübt hatten, verlagerte sich ein Teil der dabei auftretenden Hirnaktivität in eine Region des Sehsystems, die gleichzeitig an Volumen zulegte.

Mit der Veränderung in der grauen Substanz geht auch eine Verlagerung der Hirnaktivität beim Lesen von Spiegelschrift einher. Bild: Rüdiger Ilg, TU München

„Das zeigt, dass unser Gehirn eine dynamische Struktur besitzt, die sich ständig an seine Aufgaben anpasst, umbildet und neu formiert“, erklärt Rüdiger Ilg vom Klinikum der Technischen Universität München. Zwar waren ähnliche Phänomene bereits in früheren Studien beobachtet worden. Bislang war jedoch unklar, welche Verbindung dabei zwischen den Veränderungen in Struktur und Funktion des Gehirns besteht.

Ilg und Kollegen spürten diesem Zusammenhang mit Hilfe von etwa 20 Studenten nach. Diese übten sich zwei Wochen lang täglich 15 Minuten im Lesen von Spiegelschrift. In dieser Zeit stellten sich deutliche Unterschiede in ihrer Hirnstruktur und Hirnaktivität ein, ergaben Kartierungen per Kernspintomograph.

Verglichen mit dem Lesen von normaler Schrift, aktivierten die Teilnehmer zu Beginn der Studie zahlreiche zusätzliche Hirnregionen, wenn sie mühsam Spiegelschrift entzifferten. Im Laufe des Trainings schien sich ein Teil dieser Extra-Aktivität aus dem rechten Scheitellappen in den rechten Hinterhauptslappen zu verlagern, berichten die Forscher im „Journal of Neuroscience“. In eben dieser Region war zugleich eine erhöhte Dichte der grauen Substanz feststellbar, dem vornehmlich aus Nervenzellkörpern und ihren Kontaktstellen bestehenden Hirngewebe.

Laut Ilg und Kollegen lassen sich die Beobachtungen durch eine verringerte Beanspruchung des räumlichen Vorstellungsvermögen und eine gestiegene Beanspruchung der komplexen visuellen Verarbeitung erklären. Offenbar mussten die Studenten die Spiegelschrift am Ende des Trainings nicht erst im Geiste drehen, um sie überhaupt entziffern zu können, sondern konnten die Buchstaben nun direkt erkennen.

Forschung: Rüdiger Ilg, Afra M. Wohlschläger und Mark Mühlau, Neurologische Klinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München; und andere

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, Vol. 28(16), pp 4210-5, DOI 10.1523/JNEUROSCI.5722-07.2008

WWW:
Arbeitsgruppe Morphometrie, Neurologische Klinik der TU München
Gehirnatlas

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