Posted in: Genetik, Medizin 18. April 2008 13:36 Weiter lesen →

Vitamin D kann vor Brustkrebs schützen

Krebsuntersuchung an der weiblichen Brust Eine hohe Vitamin-D-Konzentration im Blut schützt Frauen jenseits der Wechseljahre vor Brustkrebs. Untersuchungen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum bestätigen diesen Zusammenhang und zeigen, dass eine bestimmte Genvariante des Vitamin-D-Rezeptors mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs einhergeht, wenn der Tumor Rezeptoren für das weibliche Sexualhormon Östrogen aufweist.

Foto: zilli/iStockphoto

Ein Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Konzentration und dem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wird bereits seit langem vermutet, seine klinische Bedeutung war jedoch bisher nicht sicher belegt. Forscher im Deutschen Krebsforschungszentrum kamen nun gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zu eindeutigen Resultaten: Während frühere Studien sich überwiegend auf das Vitamin D aus der Nahrung konzentrierten, untersuchten die Forscher den gesamten Vitamin-D-Status. Dafür erfassten sie das so genannte 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) als Marker sowohl für körpereigenes als auch für über die Nahrung zugeführtes Vitamin D.

Verglichen wurden 1.394 Brustkrebspatientinnen und eine gleiche Anzahl gesunder Frauen jenseits der Wechseljahre. Das Ergebnis fiel nach Aussage der Forscher überraschend klar aus: Frauen mit einer sehr niedrigen 25(OH)D-Konzentration im Blut hätten ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko; der Effekt sei am stärksten ausgeprägt bei Frauen, die keine Hormone zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden einnahmen. Es sei allerdings zu bedenken, dass bei dieser Studie Faktoren wie Chemotherapien oder Mangel an Sonne nach längeren Krankenhausaufenthalten zum niedrigen Vitaminspiegel der Brustkrebspatientinnen beigetragen haben könnten.

Vom Gen des Vitamin-D-Rezeptors existieren mehrere als „Polymorphismen“ bezeichnete Varianten. Die Forscher untersuchten den Effekt von vier dieser Polymorphismen auf das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dabei zeigte sich, dass Trägerinnen des so genannten TaqI-Polymorphismus ein leicht erhöhtes Risiko für Brusttumoren aufwiesen, die auf ihrer Oberfläche Rezeptoren für das weibliche Sexualhormon Östrogen tragen. Effekte auf das Gesamtbrustkrebsrisiko habe man nicht festgestellt. Vitamin D könne, so ein Erklärungsversuch der Autoren, seine krebsvorbeugende Wirkung ausüben, indem es dem wachstumsfördernden Effekt von Östrogenen entgegenwirke.

Neben seiner krebsvorbeugenden Wirkung reguliert Vitamin D vor allem den Kalziumstoffwechsel im Körper. Besonders Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel sind Seefisch (Lebertran), Eier und Milchprodukte. Den größten Anteil des Vitamin D bildet der menschliche Körper mit Hilfe von Sonnenlicht jedoch selbst.

Forschung: Sascha Abbas, Jakob Linseisen, Tracy Slanger, Silke Kropp, Elke J Mutschelknauss, Dieter Flesch-Janys, Jenny Chang-Claude; in „Carcinogenesis 2008“, Band 29 Nr. 1, Seite 93
Sascha Abbas, Alexandra Nieters, Jakob Linseisen, Tracy Slanger, Silke Kropp, Elke J Mutschelknauss, Dieter Flesch-Janys, Jenny Chang-Claude; in „Breast Cancer Research“, 17. April 2008, DOI:10.1186/bcr1994

WWW.
Deutsches Krebsforschungszentrum

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