Posted in: Biologie, Genetik 17. April 2008 12:57 Weiter lesen →

Wie Grippeviren um die Welt wandern

Fundorte von Viren der Gattung Influenza A, die in der Science-Studie verwendet wurden Asien bietet dem Grippevirus beste Bedingungen, immer neue widerstandsfähige Erreger zu bilden und in Wellen um den ganzen Globus zu schicken. Das schreibt eine internationale Forschergruppe im Magazin „Science“. Ein zweites Team von Wissenschaftlern berichtet dagegen in „Nature“, die Tropen seien die Quelle eines von ihnen analysierten Grippevirus gewesen, das sich dann nach Norden und Süden über die Erde ausbreitete. Was wie ein Widerspruch klingt, könnte sich gut ergänzen, so die Forscher.

Fundorte verwendeter Virenproben. Grafik: Science/AAAS

In „Science“ schreibt die Forschergruppe unter Leitung von Colin Russell von der University of Cambridge, sie habe rund 13.000 Proben mit Viren der Gattung Influenza A analysiert. Die Viren traten zwischen 2002 und 2007 auf sechs verschiedenen Kontinenten auf. Bei der Untersuchung konzentrierten sich die Forscher auf den Vergleich eines speziellen Gens, welches für die Bildung von Hämagglutinin zuständig ist. Dieses Protein sitzt auf der Oberfläche des Virus und spielt eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Infektion. Kleine genetische Abweichungen erlaubten es den Forschern, einzelne Virenstämme zu unterscheiden und ihre Verbreitungswege um die Welt zu rekonstruieren. Demnach treten neue Erreger zuerst in Ost- und Südostasien auf, bevor sie sich innerhalb von sechs bis neun Monaten nach Europa und Nordamerika verbreiten. Weitere Monate dauert es, bevor die Infektionswelle in Südamerika ankommt und dort verebbt.

Zwischen Asien und Südamerika gebe es wesentlich weniger Reiseverkehr, erklären die Forscher die Verspätung. Der direkte menschliche Kontakt sei für die Verbreitung des Influenza-Virus entscheidend. Deshalb böten dicht besiedelte Megastädte wie Bangkok und Hong Kong auch die besten Voraussetzungen für die Entstehung neuer Virenstämme.

Die Ausbreitung von Grippeviren über die Welt

Grafik: NASA/University of Cambridge

Edward Holmes von der Pennsylvania State University und seine Kollegen haben dagegen die Tropen als eine Geburtsstätte neuer Grippeviren ausgemacht. Wie sie im Magazin „Nature“ berichten, analysierten sie das komplette Genom von 1.302 Viren der Gattung Influenza A, die in den letzten zwölf Jahren aufgetreten waren. Allerdings beschränkten sich die Forscher bei der Auswahl der Proben auf Funde im US-Bundesstaat New York und auf Neuseeland, die stellvertretend für die Nord- und Südhalbkugel stehen.

In sämtlichen Proben hätten sich Hinweise auf den tropischen Ursprung des Virus gefunden, so die Forscher. Angesichts der begrenzten Probenwahl habe man die Quelle aber nicht weiter eingrenzen können. Für die Tropen als „Brutstätte“ neuer Grippeviren spreche vor allem das ganzjährige warm-feuchte Klima, das den Erregern gute Lebensbedingungen biete.

Holmes sieht in der „Science“-Studie keinen Widerspruch zu seinen Ergebnissen; die Forschungen ergänzten sich vielmehr. Während die „Science“-Autoren die Ausbreitung um die Welt nachvollziehen wollten, konzentrierte sich Holmes Gruppe auf die Evolution des Erregers. Die Analyse des kompletten Genoms belegt, dass sich das Influenza-Virus nicht nur in einigen Teilen, sondern in seiner Gesamtheit höchst flexibel wandeln kann. Diese mehrfache Mutation ermöglicht es ihm, schnelle Resistenzen gegen Medikamente auszubilden.

Forschung: Andrew Rambaut, University of Edinburgh, Edward Holmes, The Pennsylvania State University, University Park, u.a.; in „Nature“, 17.4.2008, Vol. DOI: 10.1038/nature06945
Colin Russell, University of Cambridge, u.a.; in „Science“ Vol. 320, pp 340–346, 18.4.2008

WWW:
Summary in Nature
AG Influenza

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