Posted in: Technik 14. April 2008 06:00 Weiter lesen →

Echtes Bewegen in virtuellen Welten

Computergrafik zeigt Blick auf ein idyllisches römisches Dorf mit niedrigen Häusern, roten Dächern in Hügellandschaft Virtuelle Welten können künftig mit dem genauen Gegenteil eines fliegenden Teppichs erkundet werden. Das von europäischen Forschern entwickelte System besteht aus einem großen Laufband, auf dem kleine Quer-Laufbänder angebracht sind. Ein Mensch kann auf dieser Unterlage durch eine vom Computer generierte Welt gehen, ohne sich in der realen vom Fleck zu bewegen.

Virtuelle Landschaften gibt es schon lange, nun kann man sie auch durchschreiten. Bild: ETH Zürich/Max-Planck-Gesellschaft

Die Fähigkeiten dieses „Cybercarpet“ werden derzeit anhand einer Rekonstruktion Pompejis im Jahr 79 vor Christus erprobt. Mit einem speziellen Helm ausgestattet, kann der Nutzer durch die altrömische Stadt streifen, kurz bevor diese bei einem Ausbruch des Vesuv zerstört wird. Das System könne auch für Stadtplaner und Architekten, Sportler, Rettungskräfte oder Mediziner interessant sein, ist Marc Ernst vom Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik überzeugt.

Virtuelle Welten haben in den letzten Jahren ein erstaunliches Maß an Perfektion erreicht – zumindest in puncto Grafik und Geräuschkulisse. Des ungeachtet müssen die Nutzer meist noch zu Steuergeräten wie Maus oder Joystick greifen, um sich durch die Scheinwelten zu „bewegen“. Das von italienischen, schweizerischen und deutschen Forschern mit EU-Förderung entwickelte System schafft hier Abhilfe und erlaubt es, das menschliche Navigieren unter quasi-natürlichen Bedingungen zu erforschen.

Foto zeigt Mann mit VR-Helm, Kabeln, Haltegurt auf einer in mehrere Bahnen unterteilten Gummiunterlage

Die Bewegungen des Nutzers werden von einem Kamerasystem überwacht und letztlich in entsprechende Befehle an die Laufbänder umgesetzt. Foto: ETH Zürich/Max-Planck-Gesellschaft

Der „Cybercarpet“ besteht aus einem etwa 4 mal 5 Meter großen Laufband. Dieses ist gespickt mit zahlreichen kleinen Laufbändern, die senkrecht zu seiner Bewegungsrichtung angeordnet sind. Durch Ansteuern des großen und der kleinen Laufbänder kann sich die Unterlage in jede beliebige Richtung bewegen und so die Bewegungen des Nutzers ausgleichen.

Konstruiert wurde das omnidirektionale Laufband an der Technischen Universität München, die Kontrollsoftware wurde an der Universität Rom und am Tübinger Max-Planck-Institut entwickelt. Die Rekonstruktion des alten Pompeji und das Kamerasystem, mit dem die Bewegungen des Nutzers registriert und analysiert werden, stammen von Forschern der ETH Zürich.

Forschung: Multisensory Perception and Action Group, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen; Robotics Group, Università di Roma „La Sapienza“; Computer Vision Laboratory, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; Lehrstuhl für Angewandte Mechanik und Lehrstuhl für Steuerungs- und Regelungstechnik, Technische Universität München

WWW:
Projekt-Homepage
Cyberwalk, TU München

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