Posted in: Technik 10. April 2008 15:26 Weiter lesen →

Software kartiert „Schwarze Löcher“ im Internet

Foto eines Würfels aus mehreren Platinen samt Buchsen, in den viele Kabel verschiedener Farben laufen Nicht immer fließen die Daten im Internet so problemlos, wie es sich Nutzer und Dienstleister wünschen würden. Wo der Datenstrom gerade ins Stocken gerät, ermittelt eine von amerikanischen Informatikern entwickelte Software. Das System sendet laufend Testnachrichten kreuz und quer durch das Netz und stellt die gefundenen Problemzonen auf einer Weltkarte dar.

Nicht immer finden Daten in einem Netzwerk ans Ziel. Foto: NASA-Glenn Research Center

Für normale Nutzer, die sich über eine nicht oder nur langsam ladende Seite im weltweiten Netz ärgerten, sei die frei verfügbare Karte wohl bestenfalls interessant, räumt Ethan Katz-Bassett von der University of Washington ein. Umso nützlicher seien die Resultate für die Angestellten von Rechenzentren, die sich um die technische Infrastruktur des Internets kümmerten.

„Eigentlich sollte man meinen, dass die Zuständigen bei den Internet-Dienstleistern auf bessere Daten zugreifen können“, so der Forscher. „Das ist aber nicht der Fall.“ Meist würden beim Auftauchen eines Problems zunächst Anfragen an die einschlägigen Diskussionsgruppen geschickt, typischerweise mit dem Wortlaut: „Hallo, könnt ihr das mal probieren und schauen, ob es bei euch auch nicht klappt?“ In einer Welt, in der das Internet für Schreiben und Telefonieren, Zahlungsverkehr und Datenaustausch eine zentrale Rolle spiele, seien schnellere und verlässlichere Vorgehensweisen wünschenswert.

Für ihre systematische Fahndung nach Problemen im Internet nutzen Katz-Bassett und Kollegen rund 100 Computer in knapp 40 Ländern, die Teil eines internationalen Forschungsnetzes sind. Jeder einzelne dieser Rechner sendet regelmäßig kurze Bitten um ein Lebenszeichen, „Pings“, an die anderen Rechner. Bleibt die Antwort aus, bedeutet das, dass die Anfrage auf dem Weg zum Ziel sang- und klanglos verloren gegangen ist – ähnlich wie Materie, die in ein Schwarzes Loch stürzt.

In solchen Fällen nimmt das auf den Namen Hubble getaufte System das Problem genauer unter die Lupe. Beispielsweise versucht es herauszufinden, ob ein Bereich des Internet von allen oder nur von einigen Bereichen des Internet aus nicht erreichbar ist. Wo eine Störung vorliegt, wie lange sie bereits dauert und welcher Art das Problem ist, stellt die Software in Form einer Weltkarte dar, die alle 15 Minuten aktualisiert wird.

Katz-Bassett und Kollegen schätzen, dass Hubble gut 85 Prozent aller „Schwarzen Löcher“ in 90 Prozent des Internets finden kann. Allein in seinen ersten vier Monaten habe das System mehr als 640.000 Erreichbarkeitsprobleme registriert, berichtet die Gruppe demnächst auf einer Tagung von Netzwerkexperten in San Francisco. „Als wir mit der Arbeit an diesem Projekt begannen, hätten wir nicht ernstlich damit gerechnet, derart viele Probleme zu finden“, erklärt Avind Krishnamurthy, einer der Forscher. „Die Resultate haben uns sehr überrascht.“

Forschung: Ethan Katz-Bassett, John, Arvind Krishnamurthy, Thomas Anderson, Department of Computer Science, University of Washington, Seattle; und andere

Proceedings of the 5th USENIX Symposium on Networked Systems Design and Implementation, pp 247-62

WWW:
Hubble: Monitoring Internet Reachability in Real-time
Planet Lab
Übertragung im Netz – Routing
Autonomous Systems und Core Network

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