Posted in: Psychologie, Soziales 9. April 2008 06:00 Weiter lesen →

Was der erste Eindruck verrät

Zwei gemittelte, leicht verschleierte Fotos weiblicher Gesichter Menschen können ein Gegenüber einschätzen, noch bevor ein Wort gewechselt wurde. Wie fein diese Fähigkeit entwickelt ist, demonstriert ein Experiment englischer und schottischer Psychologen. Allein anhand einer Fotografie konnten ihre Probanden mit einiger Sicherheit angeben, ob eine Person eine langfristige Beziehung suchte oder ob sie auch für ein amouröses Abenteuer zu haben war.

Hätten Sie’s erkannt? Die Dame rechts hätte grundsätzlich nichts gegen ein kurzes Abenteuer. Bild: Boothroyd et al./University of Durham

Mit dieser Einschätzung hingen auch die Präferenzen der Betrachter zusammen, fanden die Forscher um Linda Boothroyd von der University of Durham. Junge Männer bevorzugen demnach Frauen, die zu einem flüchtigen Vergnügen bereit sind, während jungen Frauen der Sinn eher nach Männern für eine dauerhafte Beziehung steht. „Dies zeigt, wie der erste Eindruck zur Einschätzung potenzieller Partner oder aber Konkurrenten beiträgt“, so die Forscherin.

Boothroyd und Kollegen führten ihre Studie mit insgesamt 700 heterosexuellen Männern und Frauen durch. Diese sollten einschätzen, welche Art Beziehung die Person auf einem Foto suchte. Dabei erzielten 72 Prozent der Teilnehmer eine Trefferquote, die klar über die von bloßem Raten hinausging, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Evolution and Human Behavior“. Das galt auch dann, wenn die Bilder aus mehreren Fotografien einer Person gemittelt worden waren.

Generell wurden Frauen, die offen waren für ein Abenteuer, als attraktiver bewertet als solche, die den Mann fürs Leben suchten. Zu einem Abenteuer bereite Männer wurden als besonders maskulin eingeschätzt – entsprechend ihrer markanten Züge, ihrer relativ großen Nasen und ihrer kleinen Augen. Allerdings wurden sie von den Versuchsteilnehmerinnen auch als weniger attraktiv angesehen. Laut den Forschern passt dieser Befund zu den Resultaten einer früheren Studie, der zufolge Frauen Männer mit maskuliner Erscheinung eher als untreu und als schlechte Ernährer einschätzen. Eine andere Studie hatte dagegen ergeben, dass diese Tendenz im Laufe des weiblichen Monatszyklus variiert.

„Zahlreiche Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Menschen einer Person vieles am Gesicht ablesen können, etwa den Gesundheitszustand oder sogar Persönlichkeitszüge wie Introvertiertheit“, so Boothroyds Kollege Benedict Jones von der University of Aberdeen. „Unsere Studie zeigt erstmals, dass Menschen auch empfänglich sind für subtile Hinweise auf die Art Beziehung, die sich andere wünschen.“

Forschung: Linda G. Boothroyd, Benedict C. Jones, D. Michael Burt, Misa M. DeBruine und David I. Perrett, School of Psychology, University of St. Andrews, Fife, Department of Psychology, University of Durham, Durham, und School of Psychology, University of Aberdeen, Aberdeen

Veröffentlichung Evolution and Human Behavior, DOI 10.1016/j.evolhumbehav.2007.12.009

WWW:
Boothroyd Laboratory, Durham University
Perception Lab, University of Aberdeen
Face Research Lab, University of Aberdeen
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