Posted in: Biologie, Genetik 9. April 2008 06:01 Weiter lesen →

DNA-Fährte verrät Ochsenfrosch

Foto zeigt einen kompakt gebauten, dunkel gefärbten Frosch am schlammigen Rand eines Gewässers Statt zu Fernglas und Lupe könnten Naturschützer künftig zum Reagenzglas greifen, um sich ein erstes Bild vom Leben in einem Gewässer zu machen. Französischen Forschern ist es gelungen, die Anwesenheit eines gefräßigen Froschs allein anhand von DNA-Spuren im Wasser nachzuweisen.

Der Ochsenfrosch stammt aus Nordamerika, macht sich seit einigen Jahrzehnten aber auch in Mitteleuropa breit. Foto: Gary M. Stolz, US Fish and Wildlife Service

Das Verfahren schlug bei allen Testseen an, in denen der Ochsenfrosch bekanntermaßen vorkommt, berichten Francesco Ficetola vom Laboratoire d’Ecologie Alpine der Universitäten Grenoble und Savoyen im Fachblatt „Biology Letters“. Bei Seen, in denen die Art noch nicht gesichtet worden ist, verlief die Probe dagegen ausnahmslos negativ.

„Dieser Ansatz kann die Lösung in vielen Situationen sein, in denen die üblichen Erhebungsmethoden keine verlässlichen Resultate liefern oder einen zu hohen Aufwand erfordern würden“, schreiben die Forscher. Ökologen und Naturschützern sind solche Situationen nur allzu vertraut. Viele Arten – insbesondere jüngst eingeschleppte oder vom Aussterben bedrohte – treten nur in geringen Dichten auf oder führen ein Leben im Verborgenen.

Die Idee, Lebewesen anhand ihrer Erbgutspuren in der Umwelt nachzuweisen, ist nicht neu. Bislang wurde sie jedoch meist auf Mikroben oder bei sehr alten Proben angewandt. Ficetola und Kollegen machten nun die Probe aufs Exempel und versuchten, den Amerikanischen Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) anhand seiner DNA in neun französischen Seen nachzuweisen. Aus Nordamerika stammend, tritt der große Frosch in Mitteleuropa als Fressfeind oder Konkurrent heimischer Arten auf und macht ihnen so zu schaffen.

Drei der studierten Seen liegen weit außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes des Ochsenfroschs in Europa, in drei weiteren wimmelt es dagegen von fingerlangen Kaulquappen der Art. An drei weiteren Seen waren mitunter ausgewachsene Exemplare gesichtet worden. Dennoch war die DNA der Art auch hier in mindestens zwei von jeweils drei Wasserproben nachweisbar.

Forschung: Gentile Francesco Ficetola, Claude Miaud, François Pompanon und Pierre Taberlet, Laboratoire d’Ecologie Alpine, Université Joseph Fourier, Grenoble, und Université de Savoie, Le Bourget du Lac

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2008.0118

WWW:
Laboratoire d’Ecologie Alpine, Grenoble
Rana catesbeiana
DNA Structure
Beispiel für eine (einfache) Kartierung

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„Tote“ DNA hält Phosphorkreislauf in Schwung

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