Posted in: Biologie 3. April 2008 18:00 Weiter lesen →

Nachtfalter fliegt mit Kompass

Foto einer Gammaeule, kleiner brauner Falta mit heller Zeichnung auf den Flügeln Auch wenn sich Wanderfalter vom Wind tragen lassen, sind sie ihm nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Englische und deutsche Biologen haben entdeckt, dass die Gammaeule auf ihrem Herbstzug gen Süden günstige Winde abwartet und darin mit erstaunlicher Präzision eine bestimmte Richtung beibehält. Über ihre Beobachtungen berichten sie im Fachblatt „Current Biology“.

Gammaeulen verdanken ihren Namen dem weißen „gamma“ auf den Flügeln. Foto: Ian Woiwod, Rothamsted Research

Voraussetzung für diese Fähigkeiten sei ein Kompass-Sinn, betonen die Forscher um Jason Chapman vom Forschungsinstitut Rothamsted Research. Vermutlich nutzten die Insekten dafür das Erdmagnetfeld. Ihre Flugrichtung könnten sie nämlich auch in mondlosen Nächten erkennen und für eine Orientierung nach dem Sternenhimmel reiche die Auflösung der Facettenaugen nicht aus.

Chapman und Kollegen nutzten ein eigens entwickeltes „Insektenradar“, um den Herbstzug der Gammaeule zu verfolgen. Der Nachtfalter verbringt den Sommer in nördlichen Gefilden – in diesem Fall auf Britannien – und überwintert im Mittelmeerraum. Scharen von Faltern machen sich alljährlich im Spätsommer auf den Weg gen Süden: Chapman und Kollegen schätzen, dass allein im August 2003 rund 200 Millionen Tiere die englische Küste in großen Höhen überflogen.

Zu ihrer Verblüffung fanden die Forscher, dass Falterschwärme beinahe ausschließlich in Nächten unterwegs waren, in denen der Wind aus nördlichen Richtungen wehte. Damit nicht genug: Die Tiere waren meist in eine Richtung von 205 Grad auf der Kompassrose orientiert, entsprechend in etwa Südsüdwest. Nur wenn die Windrichtung mehr als 20 Grad von diesem offenbar bevorzugten Kurs abwich, korrigierten die Falter ihre Reiserichtung durch entsprechendes Gegensteuern.

„Gemessen an der Entfernung, die die Falter zurücklegten, und an ihrem ausgefeilten Orientierungsverhalten, liegt es auf der Hand, dass viele binnen weniger Nächte ihre Überwinterungsgebiete erreichten“, folgern Chapman und Kollegen. Wahrscheinlich verfügten viele weitere „Zuginsekten“ über ähnliche Fähigkeiten wie die Gammaeule.

Forschung: Jason W. Chapman und Ian P. Woiwod, Plant and Invertebrate Ecology Department, Rothamsted Research, Harpenden; Henrik Mouritsen, AG Neurosensorik, Universität Oldenburg; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18, DOI 10.1016/j.cub.2008.02.080

WWW:
Plant and Invertebrate Ecology, Rothamsted Research
Vertical-Looking Radar
AG Neurosensorik, Uni Oldenburg
Gammaeule
Migration Basics
Innere Uhr hält Monarchen auf Kurs

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Spinnen warten auf gutes Flugwetter
Libellen ziehen wie Vögel

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.