Warum es nicht nur große Käfer gibt
28. März 2008 |
Wenn es um die Fortpflanzung geht, ist nicht allein die Größe entscheidend. Besonders eindrücklich belegt das ein von japanischen Biologen studierter Käfer. Je nach Statur, nutzen die Käfermännchen im Wettstreit um die Weibchen gleich drei unterschiedliche Strategien. Auf diese Weise können sie die verschiedenen Vorzüge ihres Körperbaus optimal ausspielen - und kommen letztlich alle zum Ziel.
Große Glanzkäfer setzen auf Kraft, kleine dagegen auf “Schnellbegattungen”. Foto: Copyright Kensuka Okada
Größere Männchen setzen ihre kräftigen Kiefer ein, um kleinere Geschlechtsgenossen von einem Weibchen fernzuhalten, beobachteten die Forscher um Takahisa Miyatake von der Universität Okayama. Mittelgroße Männchen verlegen sich dagegen auf die Suche nach unbewachten Weibchen, während es kleine Männchen ihr Glück in “Schnellbegattungen” suchen.
Miyatake und Kollegen studierten den Fall des japanischen Glanzkäfers Librodor japonicus. Nur wenige Millimeter groß, ernähren sich die Tiere von Baumsaft. Allerdings haben sie auch ein Faible für leicht vergorene Bananen. Diese Vorliebe nutzten die Forscher, um gleich mehrere Hundert Käfer zu fangen, peinlich genau zu vermessen und mit unterschiedlichen Situationen zu konfrontieren. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Ecological Entomology”.
Wurden zwei Männchen auf eine Bananenscheibe gesetzt, blieben große und kleine Männchen meist an Ort und Stelle, während mittelgroße Männchen rasch davonflogen. Auch zeigten diese Männchen wenig Initiative, wenn sie zu einem großen Rivalen samt Weibchen gesetzt wurden. Große Männchen suchten in dieser Situation meist die körperliche Auseinandersetzung mit dem Hausherren, beobachteten die Forscher. Kleine Männchen ließen sich auf ein solches Ringen gar nicht erst ein. Stattdessen versuchten sie umgehend, das Weibchen zu begatten, noch bevor das große Männchen auf sie aufmerksam wurde.
Der Grund für den Erfolg dieser Strategien scheint im Körperbau der Männchen zu liegen, fanden Miyatake und Kollegen. Gemessen an ihrer Körperlänge, haben große Männchen nämlich übergroße Kiefer. Bei mittelgroßen Männchen sind dagegen die Flügel relativ groß. Und bei kleinen Männchen schließlich, sind die Hoden deutlich kräftiger entwickelt, als man es aufgrund der Körpergröße erwarten sollte.
Forschung: Kensuka Okada, Takahisa Miyatake, Yuta Nomura und Kazuma Kuroda, Laboratory of Evolutionary Ecology und Laboratory of Insect Ecology, Graduate School of Environmental Science, Okayama University, Okayama
Veröffentlichung Ecological Entomology, Vol. 33(2), pp 269-75, DOI 10.1111/j.1365-2311.2007.00965.x
WWW:
Laboratory of Evolutionary Ecology, Okayama University
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