Posted in: Chemie, Medizin 27. März 2008 06:01 Weiter lesen →

Wie Augen trübe werden

Kollage zeigt den normal-scharfen Blick auf eine weiße Gebäudekuppel vor tiefblauem Himmel, eingerahmt von herbstlich gefärbtem Laub, und den stargetrübten, unscharfen Blick auf das gleiche MotivBei vielen Menschen trübt sich im fortgeschrittenen Alter die Augenlinse. Dieser Graue Star könnte zu einem erheblichen Teil hausgemacht sein, lassen Experimente amerikanischer Forscher vermuten. Ausgerechnet die Bemühungen der zellulären Müllabfuhr fördern demnach das Verklumpen glasklarer Linsenproteine zu einem milchig-trüben Schleier.

Neben der Sehschärfe beeinträchtigt der Graue Star auch das Farbensehen. Bild: Krishna Sharma

Dieser folgenschwere Effekt könnte eintreten, wenn verschlissene Linsenproteine aus der Gruppe der Crystalline von Enzymen in kleine Teile zerlegt werden, berichtet die Gruppe um Krishna Sharma von der University of Missouri im „Journal of Biological Chemistry“. Bei ihren Laborversuchen fanden sie, dass sich die Proteinschnipsel an noch intakte Crystalline anlagern, ihre Gestalt verändern und ihre Löslichkeit verringern.

Allein in Deutschland werden jährlich etwa 400.000 Menschen aufgrund eines Grauen Stars oder Katarakts operiert. Meist eine Alterserscheinung, lässt sich die Erkrankung gut behandeln und dank Kunstlinsen müssen die Betroffenen auch keine klobige Starbrille tragen. Wie es zu der Trübung kommt, ist allerdings noch unklar.

Um mehr über den Prozess zu erfahren, verglichen Sharma und Kollegen Linsen von unterschiedlich alten Spendern mit und ohne Katarakt. Neben den bereits bekannten, großen Proteinbruchstücken fanden sie relativ kleine Fragmente, die aus höchstens 20 Aminosäuren bestanden. Zwei davon kamen nur in alten Linsen vor.

Versuchsweise gaben die Forscher diese Peptide zu Präparationen von Crystallinen. Im Falle von beta- und gamma-Crystallinen stieg daraufhin die Lichtbrechung der Linsenproteine, gleichzeitig fiel ein Teil davon als Niederschlag aus der Lösung aus. Im Falle der alpha-Crystalline reduzierten die Peptide dagegen die Fähigkeit dieser molekularen Anstandsdamen, andere Crystalline in ihrer normalen Form zu halten.

Diese Resultate ließen vermuten, dass die Interaktion der kleinen Bruchstücke mit ihren Ausgangsproteinen, den Crystallinen, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Katarakt sei, schließen Sharma und seine Kollegen.

Forschung: Puttur Santhoshkumar, Padmanabha Udupa, Raju Murugesan und K. Krishna Sharma, Department of Ophthalmology und Department of Biochemistry, University of Missouri, Columbia

Veröffentlichung Journal of Biological Chemistry, Vol. 283(13), pp 8477-85, DOI 10.1074/jbc.M705876200

WWW:
Mason Eye Institute, University of Missouri-Columbia
Grauer Star, Katarakt
A Lens Is for Life

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Geburtsjahr am Auge ablesbar
Drucksensor im Auge

Posted in: Chemie, Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.