Posted in: Biologie, Psychologie 26. März 2008 06:01 Weiter lesen →

Evolutionäre Risikobereitschaft?

Foto eines Bonobo mit tief-graubraunem Fell auf Seilen, im Hintergrund Baumkronen im hellen SonnenscheinWenn es um die Risikofreude geht, sind sich die beiden nächsten Verwandten des Menschen höchst uneins, hat eine amerikanisch-deutsche Forschergruppe ermittelt. Bonobos bevorzugen den Spatz in der Hand, Schimpansen steht der Sinn dagegen nach der Taube auf dem Dach.

Bonobos sind keine Spielernaturen. Foto: Copyright Alexandra Rosati

Möglicherweise spiegle sich hier die leicht unterschiedliche Ernährungsweise der beiden Menschenaffen wider, schreibt die Gruppe um Sarah Heilbronner von der Harvard University im Fachblatt „Biology Letters“. Schimpansen setzten eher auf Früchte und machten mitunter auch Jagd auf kleinere Affenarten. Beides seien weniger verlässliche Nahrungsressourcen als die krautige Vegetation, der Bonobos den Vorzug gäben.

Heilbronner und Kollegen testeten das Verhalten von je 5 Bonobos und Schimpansen (Pan paniscus bzw. Pan troglodytes) im Leipziger Primatenforschungszentrum. Sämtliche Tiere waren in Gefangenschaft geboren und hatten niemals Hunger leiden müssen. Im Experiment sollten sie sich zwischen zwei Schüsseln unterschiedlicher Farbe und Form entscheiden. Unter der einen Schüssel lagen stets 4 Weinbeeren, unter der anderen lagen mit gleicher Häufigkeit 1 oder 7 Beeren. Die Schimpansen spielten in 68 Prozent der Fälle auf Risiko, die Bonobos nur in 28 Prozent.

Der Mensch und die übrigen studierten Tierarten bevorzugten ebenfalls den sicheren Ertrag, so Heilbronner und Kollegen. Allerdings dürfte auch die Risikobereitschaft der Schimpansen ihre Grenzen haben und von der momentanen Situation abhängen. Beispielsweise sei beobachtet worden, dass die Tiere häufiger auf die Jagd nach Fleisch gingen, wenn ohnehin reichlich Früchte vorhanden seien. Des ungeachtet bekräftigten die neuen Resultate die Vermutung, auch die ökonomischen Entscheidungen des Menschen könnten auf einer evolutionären Basis fußen.

Forschung: Sarah R. Heilbronner und Alexandra G. Rosati, Department of Psychology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts, Center for Cognitive Neuroscience, Duke University, Durham, North Carolina, und Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2008.0081

WWW:
Cognitive Evolution Laboratory, Harvard University
Hominoid Psychology Research Group, MPI Leipzig
Chimps and Bonobos
Der Homo oeconomicus – neu definiert

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