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Ältester Europäer entdeckt

26. März 2008 | Druckversion

Foto zeigt Blick auf die Oberseite des UnterkieferfragmentsÜberreste des frühesten bekannten Europäers haben spanische und amerikanische Forscher entdeckt. In einem Karstgebiet nahe der nordspanischen Stadt Burgos stießen sie auf Unterkiefer und Zahn eines frühen Vertreters der Gattung Homo, auf Steinwerkzeuge sowie auf Skelette von damit zerlegten Tieren. Die Fundstücke dürften 1,1 bis 1,2 Millionen Jahre alt sein.

In einigen Punkten ähnelt der Unterkiefer aus Atapuerca alten Homininen aus Afrika und dem Kaukasus - allerdings nicht in allen. Foto: EIA/Jordi Mestre

Damit seien sie gut 300.000 Jahre älter als die bislang frühesten Belege für die Anwesenheit von Menschen in Europa, so die Forscher um Eudald Carbonell von der Universitat Rovira i Virgili in Tarragona. Möglicherweise seien damals Menschen aus Afrika über das östliche Europa bis auf die iberische Halbinsel gelangt und hätten sich dort zu einer eigenen Art entwickelt, schreibt die Gruppe im Magazin “Nature”.

Die Funde stammen aus der Sierra de Atapuerca, in deren Kalksteinhöhlen schon mehrfach Zeugnisse einer frühen menschlichen Besiedlung entdeckt worden waren. Unter gut 12 Metern Sediment, die sich im Laufe der Zeit in der Höhle “Sima del Elefante” angesammelt haben, fanden Carbonell und Kollegen den vorderen Abschnitt eines Unterkiefers mit vier erhaltenen Zähnen sowie einen einzelnen, offenbar aus dem Kiefer stammenden Zahn.

Foto zeigt zwei ältere Männer, die das Knochenfragment gemeinsam halten und begutachtenDie Forscher ordnen die Überreste vorläufig der Art Homo antecessor zu. Diesen möglichen Vorfahren von Neandertaler und modernem Mensch hatten sie im Jahr 1997 anhand von Knochen aus einer benachbarten Fundstätte, der Gran Dolina, beschrieben.

José M. Bermúdez de Castro und Eudald Carbonell begutachten das Kieferfragment. Foto: José M. Bermúdez de Castro und Eudald Carbonell

Neben einfachen Steinwerkzeugen enthielt die Sedimentschicht auch Knochen mehrerer kleiner und großer Säuger und Vögel. Die Artenzusammensetzung dieser Fauna und die Ausrichtung des Magnetfelds in den Mineralkörnchen ermöglichten bereits eine grobe zeitliche Einordnung der Fundschicht.

Für eine noch genauere Datierung griffen Carbonell und Kollegen auf radioaktive Isotope von Beryllium und Aluminium zurück. Diese Isotope entstehen in Quarz an der Erdoberfläche unter dem Einfluss der kosmischen Strahlung. Wird das Material jedoch unter Fels und Sediment vergraben und damit gegen die Strahlung abgeschirmt, sinkt sein Gehalt an den Isotopen allmählich. Gemessen an dieser “Stoppuhr”, wurden die Quarzkörnchen in der Fundschicht vor 1,1 bis 1,2 Millionen Jahren in der Höhle abgelagert.

Forschung: Eudald Carbonell, Institut Català de Paleoecologia Humana i Evolució Social (IPHES), Universitat Rovira i Virgili, Tarragona; José M. Bermúdez de Castro, Centro Nacional de Investigación sobre Evolución Humana, Burgos; Juan L. Arsuaga, Departamento del Paleontología, Facultad de Ciencias Geológicas, Universidad Complutense de Madrid; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 452, 27. März 2008, pp 465-9, DOI 10.1038/nature06815

WWW:
IPHES, Universitat Rovira i Virgili
Atapuerca-Seite von Juan Luis Arsuaga
Treasures from the Hills of Atapuerca
Die ersten Europäer
Terrestrial Cosmogenic Nuclides

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