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Londoner Löwen aus Nordafrika

25. März 2008 | Druckversion

Nicht nur adlige Gefangene, auch exotische Tiere gehörten lange zu den unfreiwilligen Bewohnern des Londoner Tower. Die Herkunft zweier Löwen haben englische Forscher nun bestimmen können. Bei den Tieren, die im 13. und 15. Jahrhundert in der königlichen Menagerie gehalten wurden, handelte es sich um Berberlöwen aus dem nördlichen Afrika.

Mit seinem kräftigen Körperbau und der besonders üppigen Mähne diente der Berberlöwe dem Urvater der biologischen Nomenklatur, Carl von Linné, als Vorbild für die Beschreibung des Löwen. In freier Wildbahn ist die Unterart allerdings seit etwa 90 Jahren ausgestorben.

Die Schädel der beiden Löwen waren im Jahr 1937 bei Ausgrabungen im Wassergraben des Tower gefunden worden - zusammen mit den Skeletten eines Leoparden und zahlreicher Hunde. Mit Hilfe der Radiokohlenstoff-Technik hatten Richard Sabin vom Natural History Museum in London und Kollegen die Knochen bereits auf die Zeiträume 1280-1385 und 1420-1480 datieren können.

Nun wandten sich die Forscher dem in den Knochen erhaltenen Erbgut zu. Unter anderem konnten sie DNA-Stränge isolieren, die aus den Mitochondrien, den “Zellkraftwerken”, stammten. Diese wiesen Sequenzen auf, wie sie lediglich von Berberlöwen (Panthera leo leo) bekannt sind. Form und Bau der Kieferknochen bekräftigten diese Zuordnung, so das Museum in einer Mitteilung.

“Aus historischen Quellen wissen wir, dass Löwen einst in einem Gebiet von Nordafrika über den Mittleren Osten bis nach Indien vorkamen”, erklärt Nobuyuki Yamaguchi von der Universität Oxford. Spätestens vor gut 4.000 Jahren habe das Wachstum der Zivilisationen am Nil und entlang des Sinai den genetischen Austausch zwischen nordafrikanischen und asiatischen Löwen unterbrochen und so die Ausbildung entsprechender Unterarten begünstigt. Der Fund zweier Berberlöwen im Londoner Tower demonstriere, dass es im mittelalterlichen Tierhandel noch keine Verbindungen ins südliche Afrika gegeben habe.

Forschung: Richard Sabin, Department of Zoology, National History Museum, London; Nobuyuki Yamaguchi, Wilflife Conservation Research Unit, Department of Zoology, University of Oxford

WWW:
Natural History Museum, London
Wildlife Conservation Research Unit, University of Oxford
Tower of London
Löwe

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