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Leichter Stress hilft Lernen

14. März 2008 | Druckversion

Die richtige Dosis Stresshormone im Blut hilft beim Lernen, hat eine amerikanische Biologin bei Versuchen mit Erdhörnchen beobachtet. Ihre Versuchsobjekte lernten den Zusammenhang zwischen Alarmruf und Räuber schneller, wenn ihr Cortisonspiegel leicht erhöht war. Niedrige oder sehr hohe Spiegel erwiesen sich dagegen als hinderlich.

Foto zeigt eine Gruppe junger Ziesel im Gras

Junge, unerfahrene Ziesel stellen ein gefundenes Fressen für Raubtiere dar. Foto: The University of Chicago

Dieses Resultat liefert eine mögliche Erklärung dafür, warum junge Erdhörnchen in jenem Alter, wenn sie zum ersten Mal den Bau verlassen, von Natur aus einen erhöhten Cortisolspiegel aufweisen. In dieser kritischen Lebensphase müssten die Tiere sich nicht nur ihre Umgebung einprägen, sondern auch die korrekte Reaktion auf Alarmrufe verinnerlichen, schreibt Jill Mateo von der University of Chicago im Fachblatt “Neurobiology of Learning and Memory”.

Die Forscherin führte ihre Versuche mit Belding-Zieseln (Spermophilus beldingi) durch. Die etwa ellenlangen Erdhörnchen leben im gebirgigen Westen Nordamerikas in unterirdischen Gangsystemen, in denen sie auch ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Etwa einen Monat nach der Geburt verlassen die Jungen erstmals den Bau. “Auf einen Schlag können 200 von ihnen hervorkommen. Für Raubtiere ist das ein wahres Festmahl”, so Mateo. Gut ein Drittel der Jungtiere überlebe diese Phase nicht.

Mateo erhöhte bzw. verringerte den Cortisolspiegel einiger Jungtiere, indem sie ihrem Trinkwasser das Hormon zusetzte bzw. die immer noch stillenden Muttertiere mit Cortisol-Butterklößen fütterte. Derart manipulierte Jungtiere lernten den Weg durch einen Irrgarten nur halb so rasch wie Altersgenossen mit natürlichem Cortisolspiegel. Und einige Tage nach einem Training, bei dem ein Ziesellaut ertönt und dann ein Frisbee über ihr Gehege geflogen war, suchte nur die Hälfte von ihnen Deckung, sobald der Ruf allein ertönte. Dagegen hatten praktisch alle Kontrolltiere den Zusammenhang zwischen Ruf und “Greifvogel” verinnerlicht.

Forschung: Jill M. Mateo, Department of Comparative Human Development und Institute for Mind and Biology, University of Chicago

Veröffentlichung Neurobiology of Learning and Memory, DOI 10.1016/j.nlm.2007.11.002

WWW:
Mateo Lab, University of Chicago
Belding-Ziesel
Cortisol

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