Spinne lockt mit “Warnfarben”
Mittwoch, 12. März 2008, 6:01 • Rubrik Biologie.
Je nach Adressat, kann eine auffällige Färbung völlig unterschiedliche Funktionen erfüllen. Zwei englische Biologen und eine australische Kollegin haben ermittelt, dass die gelb-schwarze Zeichnung der Wespenspinne nicht etwa als Warnung dient. Vielmehr lockt sie Beute ins Netz.
Anders als die großen und auffälligen Weibchen, spinnen die kleinen Männchen kein Netz und sind unauffällig gefärbt. Rätselhaft ist nach wie vor die Funktion der zickzackförmigen “Stabilimente” im Netz. Foto: Samashy via Wikimedia.org, Creative Commons Share Alike 2.0
Diese Beobachtung löst ein Paradoxon auf, dass Spinnenforscher seit langem beschäftigt. Eigentlich sollten netzbauende Spinnen möglichst unauffällig gefärbt sein, um weder Beute zu verschrecken noch Räuber anzulocken, erklären Alex Bush von der University of East Anglia und seine Kollegen. “Des ungeachtet sitzen viele tagaktive Spinnen nicht nur mitten in ihrem Netz, sie scheinen ihre Anwesenheit auch noch mit einer hellen Musterung regelrecht anzupreisen.”
Einige Forscher sehen in dem auffälligen Streifen- und Fleckenmuster ein Lockmittel, das auf Beuteinsekten einen ähnlichen Reiz ausübt wie eine kontrastreiche Blüte oder eine helle Knospe. Andere halten es dagegen für eine Art Tarnanzug, der die verräterischen Konturen der Spinne auflöst. Um diese Frage zu klären, verbrachte Bush mehrere Wochen in einem südenglischen Brombeer- und Stechginster-Dickicht. Dort registrierte er minutiös den Fangerfolg von 160 weiblichen Wespenspinnen (Argiope bruennichi).
Bei einigen Tieren hatte der Forscher die gelben Streifen auf dem Hinterleib mit einem schwarzen Filzschreiber übertüncht, anderen hatte er wiederum aus einem Laubblatt und etwas Draht ein blickdichtes Dach gebastelt. Das erstaunliche Resultat: Die Tiere dieser beiden Gruppen erbeuteten im Schnitt etwa 0,6 Insekten pro Tag. Ihre nicht manipulierten Artgenossinnen brachten es dagegen auf das Doppelte, berichten Bush und Kollegen in den “Proceedings of the Royal Society B”.
Würde das Streifenmuster die Konturen der Spinnen auflösen, sollte man lediglich in der “angeschwärzten” Gruppe niedrigere Werte erwarten. Daher sprächen die Resultate für die Lockmittel-Hypothese, schreiben die Forscher. Ganz offenbar seien tagaktive Webspinnen “nicht einfach nur Lauerjäger, die auf passive Weise Beute aus der Luft sieben”.
Forschung Alex A. Bush und Douglas W. Yu, School of Biological Sciences, University of East Anglia, Norwich, und Marie E. Herberstein, Department of Biological Sciences, Macquarie University, Sydney
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2008.0062
WWW:
Evolution, Ecology and Biodiversity, University of East Anglia
Behavioural Ecology Group, Macquarie University
Wespenspinne – Spinne des Jahres 2001
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