Altägyptische Packesel
11. März 2008 |
Der Weg vom Wild- zum Nutztier kann sehr lang sein, belegen 5.000 Jahre alte Eselskelette aus einer altägyptischen Begräbnisstätte. Eine internationale Forschergruppe hat entdeckt, dass die Knochen krankhafte Veränderungen infolge menschlicher Nutzung aufweisen. In Form und Größe unterschieden sie sich dagegen kaum von den Knochen von Wildeseln - und das, obwohl die Domestikation schon seit mindestens einem Jahrtausend im Gange war.
Die Esel wurden in Abydos unweit der Gräber von Königen und Adligen bestattet. Foto: Courtesy of PNAS/National Academy of Sciences (Copyright 2008)
Gemeinhin seien Nutztiere kleiner als ihre wilden Verwandten, schreibt die Gruppe um Fiona Marshall von der Washington University in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Zudem spiegele sich die Zucht in einer an den Einsatzzweck angepassten Knochengestalt wieder. Die neuen Resultate zeigten jedoch, dass nutzungs- und haltungsbedingte Skelettschäden zuverlässigere Hinweise auf ein Leben in menschlicher Obhut lieferten.
Marshall und Kollegen untersuchten die beinahe vollständig erhaltenen Skelette von 10 Eseln, die gut 500 Kilometer südlich Kairos in der altägyptischen Totenstadt Abydos entdeckt worden waren. Die Tiere waren, akkurat ausgerichtet, in gemauerten und versiegelten Grabkammern bestattet worden.
Der Vergleich mit 53 Skeletten von Haus- und Wildeseln ergab, dass die Größe der Abydos-Esel tendenziell zwischen der von wilden und domestizierten Tieren lag. Doch nicht einmal der Mittelhandknochen, dessen Form bei Eseln und anderen guten Läufern als empfindlicher Indikator für die Lebensweise gilt, erlaubte eine Zuordnung zu einer der beiden Gruppen.
Klare Hinweise auf eine menschliche Nutzung lieferten dagegen Abnutzungsspuren, Deformationen und Auswüchse im Skelett. Bei einigen Abydos-Individuen sind einzelne Wirbel durch Knochenwucherungen fest miteinander verbunden, während sich die oberen Fortsätze der Wirbelkörper nach hinten und zur Seite gebogen haben. Offenbar dienten die Tiere als Packesel und mussten vielleicht auch Reiter tragen, schließen die Forscher. Entsprechende Veränderungen fanden sich auch an den Knochen der Extremitäten.
Als robuste Lasttiere hätten Esel vor rund 6.000 Jahren völlig neue Handels- und Versorgungswege eröffnet und so Städten und ganzen Staaten zum Aufstieg verholfen, so Marshall und Kollegen weiter. Die Bestattung in Abydos - unweit der Gräber von Königen und Adligen - lasse vermuten, dass sich die ersten Pharaonen dieser Tatsache durchaus bewusst gewesen seien.
Forschung: Stine Rossel, Institut for Tværkulturelle og Regionale Studier, Københavns Universitet; Fiona B. Marshall, Department of Anthropology, Washington University, St. Louis, Missouri; Joris Peters, Institut für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München; und andere
Veröffentlichung PNAS, Vol. 105(10), pp 3715-20, DOI 10.1073/pnas.0709692105
WWW:
Institut for Tværkulturelle og Regionale Studier, Uni Kopenhagen
Fiona Marshall, Washington University
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