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Wie Krankheitserreger die Gesellschaft sehen

5. März 2008 |

EM-Aufnahme eines InfluenzavirionJe nach Übertragungsweise haben Krankheitserreger einen völlig unterschiedlichen Blick auf die menschliche Gesellschaft. Wie es dazu kommt, haben englische Forscher erstmals im Detail nachvollziehen können, indem sie die Kontakt-Netzwerke von Erwachsenen minutiös kartierten. Grippewellen können demnach problemlos durch die Bevölkerung laufen, während den Pocken heutzutage wenige, meist “häusliche” Routen offenstehen.

Für Influenzaviren ist die menschliche Gesellschaft eine relativ strukturlose Masse. Bild: CDC/ Dr. Erskine. L. Palmer; Dr. M. L. Martin

“Unterschiedliche Krankheiten erfordern für ihre Übertragung einen unterschiedlich engen Kontakt zwischen Individuen”, erklären Jonathan Read von der University of Warwick und seine Kollegen. Zwar seien bereits früher Beziehungsnetzwerke zwischen Menschen kartiert worden. Die neue Studie berücksichtige jedoch erstmals auch die Enge der jeweiligen Kontakte, schreiben die Forscher im Fachblatt “Interface” der Royal Society.

Read und Kollegen konnten 49 Studierende und Angestellte ihrer Universität für die Studie gewinnen. Jeder Teilnehmer notierte an 14 Tagen jeden einzelnen Kontakt mit einer anderen Person, den jeweiligen Ort und auch, ob lediglich ein kurzer Gruß gewechselt wurde oder ob die Begegnung direkten Hautkontakt umfasste. Auf diese Weise kamen Daten über 8.661 Begegnungen zusammen, deren Analyse teils überraschende Resultate lieferte. Beispielsweise fanden gut drei Viertel aller Kontakte zwischen Individuen statt, die sich im Studienzeitraum nur ein einziges Mal begegneten.

Erwartungsgemäß beinhalteten gut 85 Prozent der Begegnungen keinen Hautkontakt und fanden überwiegend am Arbeitsplatz bzw. an der Universität statt. Von jenen Begegnungen, bei denen sich die Personen zumindest die Hand schüttelten, erfolgten die gelegentlichen typischerweise in der Freizeit und die regelmäßigen typischerweise daheim.

Gerade Krankheitserreger wie Pockenviren oder Meningokokken, bei denen die Ansteckung einen relativ engen Kontakt erfordert, reagieren daher sehr sensibel auf die Struktur des Beziehungsnetzes, belegten die Simulationen der Forscher. Für leicht übertragbare Erreger wie Grippeviren spielt es dagegen keine Rolle, wie viele Kollegen, Freunde oder Geschlechtspartner ein Infizierter hat.

Forschung: Jonathan M. Read und Ken T.D. Eames, Mathematics Institute und Department of Biological Sciences, University of Warwick, Coventry, und Department of Applied Mathematics and Theoretical Physics, University of Cambridge; W. John Edmunds, Health Protection Agency Centre for Infections, London

Veröffentlichung Journal of the Royal Society Interface, DOI 10.1098/rsif.2008.0013

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