Belegt: Endorphine machen Läufer “high”
3. März 2008 |
Laufen hebt die Stimmung und kann sogar zu einer Art Euphorie führen. Dieses legendäre “Runner’s High” liegt zumindest teilweise in der Ausschüttung körpereigener Opioide begründet, haben Mediziner in München und Bonn erstmals nachweisen können. Bei ihren Probanden waren viele der entsprechenden Rezeptoren im Gehirn nach zweistündigem Joggen besetzt.
Einer der Studienteilnehmer, instruiert von Henning Boecke, auf dem Weg zum Glücksgefühl. Foto: H. Boecke, TU München
“Interessanterweise fanden wir Endorphinfreisetzungen vorwiegend in Bereichen des Frontallappens der Großhirnrinde und des sogenannten limbischen Systems - beides Gehirnregionen, die eine Schlüsselrolle in der emotionalen Verarbeitung innehaben”, formuliert Henning Boecker von der Technischen Universität München, inzwischen an der Universität Bonn tätig. Da einige der betreffenden Hirnregionen auch an der Unterdrückung von Schmerzen beteiligt seien, sprächen die Resultate für den potenziellen therapeutischen Nutzen von Ausdauertraining.
Boecker und Kollegen führten ihre Studie mit zehn Sportlern durch, die einen zweistündigen Lauf absolvierten. Zuvor und hernach ermittelten sie per Positronen-Emissionstomographie (PET), wie es um die Opiat-Rezeptoren im Hirn der Probanden stand. Dazu verabreichten sie ihnen eine Substanz, die an diese Rezeptoren andocken kann und gleichzeitig radioaktives Fluor-18 enthält, dessen Zerfall sich gut orten lässt. Je mehr Rezeptoren bereis durch körpereigene Endorphine besetzt sind, desto weniger kann sich diese Substanz im Hirn anreichern und desto weniger Zerfälle finden dort statt.
Tatsächlich fand die Markersubstanz nach dem Lauf deutlich weniger freie Andockstellen im Hirn, berichten die Forscher im Fachblatt “Cerebral Cortex”. Der Unterschied war umso ausgeprägter, je intensiver das Hochgefühl der Läufer war. Dies spreche für die lang gehegte, aber bislang nicht beweisbare Vermutung, dass das “Runner’s High” mit der Menge der vom Körper ausgeschütteten Endorphine korreliere, erläutert Boeckers Kollege Thomas Tölle. “Jetzt bleibt zu hoffen, dass diese Bilder auch unsere Schmerzpatienten beeindrucken und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Aufnahme von Ausdauertraining motivieren.”
Forschung: Henning Boecker, Till Sprenger und Thomas R. Tölle, Nuklearmedizinische Klinik und Neurologische Klinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, und Radiologische Universitätsklinik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; und andere
Online-Veröffentlichung Cerebral Cortex, DOI 10.1093/cercor/bhn013
WWW:
Nuklearmedizinische Klinik, TU München
Radiologische Klinik, Uni Bonn
How Does Exercise Affect Our Mood?
Ausdauersport und der Mythos des “Runner’s High”
The Endorphin Collection



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