Posted in: Biologie 27. Februar 2008 06:01 Weiter lesen →

Grille hat Ebbe und Flut im Blut


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Einen ganz besonderen Rhythmus hat die Mangrovengrille im Blut. Eine japanische Biologen hat ermittelt, dass das kleine Insekt immer dann in eine Art Starre verfällt, wenn in seinem Lebensraum die Flut aufläuft. So vermeidet es, von einem Ast zu fallen und zu ertrinken oder im Magen eines Fischs zu enden.

Mangrovengrillen, hier ein Weibchen, bringen es im ausgewachsenen Zustand auf 5 bis 7 Millimeter Körperlänge. Foto: Copyright Aya Satoh

Diesen Rhythmus behalten die Grillen selbst dann bei, wenn sie über Wochen in fortwährender Dunkelheit gehalten werden, berichten Aya Satoh von der Universität der Ryukyu-Inseln und ihre Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“. Dabei behalten die Tiere eine Taktdauer von 12,6 Stunden bei, entsprechend dem alle 12,4 Stunden erfolgenden Wechsel von Ebbe und Flut.

Mangrovenwälder wachsen entlang tropischer Küsten und werden zweimal täglich vom Meerwasser überflutet, um dann wieder trockenzufallen. Ähnlich Winkerkrabben und Schlammspringern, hat sich auch die kleine Mangrovengrille (Apteronemobius asahinai) in bemerkenswerter Weise an diese speziellen Bedingungen angepasst, fand Satoh.

Mangroven bei EbbeDie Forscherin hielt die Grillen in kleinen Plastikgefäßen und verfolgte per Infrarot-Lichtschranke, wie rege die Tiere darin umherliefen. Bei konstanter Dunkelheit wurden die Tiere immer dann hektisch, wenn in ihrem Lebensraum Niedrigwasser herrschte und sie eigentlich auf dem Schlick nach Algen suchen würden. Darauf folgte eine Ruhephase, während derer sich die Tiere kaum bewegten. Diese Phase fiel mit dem Hochwasser zusammen, das die Insekten im Astwerk von Bäumen und Sträuchern überdauern.

Mangroven bei Ebbe. Foto: EcoLight /Stockxpert

Wie tief dieser Rhythmus in der Mangrovengrille verwurzelt ist, zeigte sich beim Übergang zu einem natürlichen Hell-Dunkel-Wechsel. Sobald am Ende des Tages die Lichter im Labor ausgingen, verfielen die Insekten wieder in ihren alten Gezeitenrhythmus. Offenbar läuft dieser Rhythmus ständig weiter, folgert Satoh, wirkt sich jedoch in Abhängigkeit vom Tag-Nacht-Rhythmus unterschiedlich stark auf das Verhalten der Tiere aus.

Forschung: Aya Satoh, Faculty of Science, University of the Ryukyus, Okinawa; Eiji Yoshioka, Kobe Yamata Univerity, Kobe; Hideharu Numata, Graduate School of Science, Osaka City University, Osaka

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2008.0036

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