Mitschwimmer retten Spermien
21. Februar 2008 |
Männliche Taufliegen produzieren neben den eigentlichen Spermien auch deutlich kleinere “Scheinspermien”. Den Grund dafür glaubt ein englisches Forscherduo gefunden zu haben. Im Geschlechtstrakt der Weibchen treffen die sensiblen Samenzellen derart widrige Bedingungen an, dass sie nur in Begleitung in nennenswerter Zahl ans Ziel gelangen.
Warum der Weg durch den Uterus der Weibchen so gefährlich sei, lasse sich derzeit noch nicht sagen, schreiben Luke Holman und Rhonda Snook von der University of Sheffield im Fachblatt “Current Biology”. Es sei jedoch denkbar, dass sich der Konflikt zwischen den Geschlechtern auch auf dieser Ebene abspiele: Vielleicht wolle der weibliche Körper eine besonders rigorose Auslese unter den Spermien betreiben, die der männliche Körper wiederum mit den Hilfszellen unterlaufe.
Holman und Snook studierten die Verhältnisse bei der Taufliege Drosophila pseudoobscura. Gut die Hälfte der Zellen in der Samenflüssigkeit der Männchen sind Paraspermien. Diese bringen es auf ein Viertel der Länge der “echten” Spermien und sind nicht in der Lage, eine Eizelle zu besamen. Ihr Nutzen war lange Zeit rätselhaft. Dann zeigte eine spieltheoretische Betrachtung, dass die vergleichsweise kostengünstigen Paraspermien sich bezahlt machen würden, wenn sie Ausfälle unter den teuren Euspermien reduzierten.
Die Beobachtungen des Forscherduos passen zu diesem Szenario. Je höher der Anteil der Paraspermien im Ejakulat der Fliegenmännchen war, desto mehr lebende Euspermien fanden sich einige Zeit nach der Paarung im Uterus der Weibchen. Weitere Versuche deuten darauf hin, dass die Uteruszellen ein für die Spermien schädliches chemisches Milieu schaffen. Laut Holman und Snook könnten die Paraspermien diese Bedingungen durch ihre bloße Anwesenheit abpuffern, indem sie aggressive Moleküle binden. Zwar könnten sie ihren kostbaren Vettern durchaus auch aktiv den Weg bahnen. Die nötige Ausstattung würde allerdings wieder die Kosten für die “Mitschwimmer” erhöhen.
Forschung: Luke Holman und Rhonda R. Snook, Department of Animal and Plant Sciences, University of Sheffield, Sheffield
Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2008.01.048
WWW:
Evolutionary and Ecological Entomology, University of Sheffield
Sperm Heteromorphism
Sexual Conflict & Selection
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