Posted in: Medizin 19. Februar 2008 15:27 Weiter lesen →

Rasche Zellreaktion bei Schlaganfall

Mikroskopaufnahme zeigt leuchtend-grün fluoreszierende Nervenzelle mit birnenförmigem Zellkörper, einem relativ dicken Ausläufer und vielen feinen Ausläufern, von denen einige kleine Verdickungen aufweisenWenn ein Schlaganfall Teile des Hirns von der Blutzufuhr abschneidet, kommt es sehr rasch zu Veränderungen an den Nervenzellen. Das haben kanadische Mediziner beim mikroskopischen Blick in die Gehirne von Mäusen entdeckt. Binnen drei Minuten änderte sich die Struktur der feinen Ausläufer, mit denen Nervenzellen Signale von ihren Nachbarn empfangen.

Als Zeichen einer Mangelversorgung können die feinen Nervenausläufer, die Dendriten, perlschnurartige Verdickungen ausbilden. Bild: Phil Jones/Medical College of Georgia

„Ein Schlaganfall lässt sich bis zu drei Stunden nach seinem Beginn behandeln“, erklärt Timothy Murphy von der University of British Columbia. „Unsere Studie lässt jedoch vermuten, dass beträchtlicher, teils nicht umkehrbarer Schaden schon unmittelbar nach dem Schlaganfall eintritt. Angesichts dieser Resultate sollte der Vorbeugung durch die Beseitigung von Risikofaktoren mehr Bedeutung beigemessen werden.“

Allein in Deutschland fordert der Schlaganfall jährlich mehr als 70.000 Leben und ist damit die dritthäufigste Todesursache. Ursache ist in den meisten Fällen ein Blutgerinnsel, das ein ins Gehirn führendes Blutgefäß blockiert. Zu den typischen Symptomen zählen plötzlicher Schwindel, Bewegungsstörungen auf einer Körperseite, Sprachschwierigkeiten und Sehstörungen.

Was beim Schlaganfall auf der zellulären Ebene geschieht, untersuchten Murphy und Kollegen an Mäusen, bei denen sie vorübergehend eine Hirnarterie abklemmten. Mit einer besonderen Spielart der Mikroskopie, der 2-Photonen-Mikroskopie, konnten sie tief im Hirngewebe ablaufende Vorgänge verfolgen. Schon zwei bis drei Minuten nach Unterbinden der Blutzufuhr kam es zu einer regelrechten Entladungswelle, indem Calciumionen die elektrische Spannung über der Membran der Nervenzellen abbauten. Gleichzeitig änderte sich die Gestalt der feinen Nervenausläufer, berichten die Forscher im „Journal of Neuroscience“. Gaben sie den Blutfluss wieder frei, bildeten sich die Veränderungen binnen einer Stunde größtenteils wieder zurück.

Forschung: Timothy H. Murphy, Ping Li, Kellen Betts und Richard Liu, Kinsmen Laboratory, Department of Psychiatry, Brain Research Center und Department of Cellular and Physiological Sciences, University of British Columbia, Vancouver

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, Vol. 28(7), pp 1756-72, DOI 10.1523/JNEUROSCI.5128-07.2008

WWW:
Homepage Timothy Murphy, University of British Columbia
Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Neuronen
Two-photon Excitation Microscopy

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