Posted in: Chemie, Geschichte, Medizin, Physik 12. Februar 2008 12:53 Weiter lesen →

Kein Giftanschlag auf Napoléon

Zwei Fotos zeigen kleinen, gläsernen Probenbehälter mit Beschriftung und einen bläulich glimmenden KernreaktorNapoléon Bonaparte ist keiner Arsenvergiftung zum Opfer gefallen – zumindest keiner beabsichtigten. Zu diesem Schluss kommt eine italienische Forschergruppe nach Analysen an Haarproben des Feldherrn und Regenten. Diese wiesen in allen betrachteten Lebensphasen ähnlich hohe Gehalte des giftigen Metalls auf.

Die Haarproben wurden im Kernreaktor mit Neutronen bestrahlt, um in ihnen enthaltene Spurenelemente zum radioaktiven Zerfall anzuregen. Fotos: Copyright INFN

Vergleichbares gilt für zwei Zeitgenossen Napoléons, fanden Ettore Fiorini vom Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN) und seine Kollegen. Offenbar sei Arsen in der Umwelt des frühen 19. Jahrhunderts in Mengen vorhanden gewesen, wie sie heute als schädlich gelten.

Nach seiner Absetzung im Jahre 1814 wurde Napoléon Bonaparte zunächst nach Elba und – nach der erneuten, kurzfristigen Machtübernahme in Frankreich und der Schlacht von Waterloo – auf die Atlantikinsel Sankt Helena verbannt. Dort starb er im Jahre 1821. Die Auswertung des Obduktionsberichts und anderer medizinischer Dokumente lässt auf ein aggressives Magenkarzinom als Todesursache schließen. Des ungeachtet hält sich die Vermutung, der schlechte Gesundheitszustand Napoléons in seinen letzten Jahren sei auf eine planmäßige Arsenvergiftung zurückzuführen.

Fiorini und Kollegen überprüften diesen Verdacht anhand von Haarproben aus mehreren Lebensphasen Napoléons – von seiner Kindheit auf Korsika über die Zeit auf Elba bis zu seinem Tod auf Sankt Helena. Zum Vergleich zogen sie mehrere Haarproben von Napoléons ehemaliger Gattin Joséphine und von seinem Sohn Napoleon Franz heran.

Die Forscher setzten die Proben in einem Kernreaktor Neutronenstrahlung aus, um in dem Haar enthaltene Spurenelemente zum radioaktiven Zerfall anzuregen. Die Messung der Zerfallsprodukte ergab, dass die historischen Haarproben ohne Ausnahme rund 100 Mal mehr Arsen enthielten als moderne Haarproben – nämlich etwa 10 ppm (parts per million). Nach Ansicht Fiorinis und seiner Kollegen sprechen diese Resultate gegen die Annahme, Napoléon sei in seinem Exil auf Sankt Helena mit Arsen vergiftet worden.

Forschung: Ettore Fiorini, Ezio Previtali und Angela Santagostino, Sezione di Milano-Bicocca, Istituto Nazionale di Fisica Nucleare, und Dipartimento di Fisica G. Occhialini und Dipartimento di Scienze dell’Ambiente e del Territorio, Università Milano-Bicocca

WWW:
Sezione di Milano-Bicocca, INFN
Napoléon Bonaparte
Neutronenaktivierungsanalyse
Arsen

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