Alzheimer-Plaques wachsen rasant
Mittwoch, 6. Februar 2008, 19:01 • Rubrik Medizin.
Proteinablagerungen im Gehirn sind ein typisches Merkmal der Alzheimerschen Krankheit. Doch während die Zahl dieser Plaques über Jahre allmählich zunimmt, wachsen einzelne Plaques von heute auf morgen, hat eine amerikanische Forschergruppe bei Mäusen beobachtet. Und erst nach dem Auftauchen einer Plaque stellten sich sichtbare Veränderungen an den umliegenden Nervenzellen ein.
Die für die Alzheimersche Krankheit typischen Amyloidplaques scheinen von einem Tag auf den anderen zu entstehen. Bild: NIH-National Institute on Aging
Bislang habe man nicht ausschließen können, dass die Ablagerungen lediglich eine Begleiterscheinung des Krankheitsprozesses darstellten, schreiben Melanie Meyer-Lühmann vom Massachusetts General Hospital in Charlestown und ihre Kolleginnen im Magazin “Nature”. Die neuen Beobachtungen bekräftigen jedoch den lange gehegten Verdacht, dass die Bildung der Plaques ein Schlüsselereignis auf dem Weg zur Alzheimerdemenz sei.
Meyer-Lühmann und Kolleginnen führten ihre Studie mit genetisch veränderten Mäusen durch, in deren Hirnen ähnliche Veränderungen stattfinden wie in denen menschlicher Alzheimerpatienten. Die Forscherinnen setzten den Tieren kleine Glasfenster in die Schädeldecke, durch die sie per Mikroskop in die Großhirnrinde schauen konnten. Feine Blutgefäße als feste Orientierungspunkte nutzend, konnten sie die Veränderungen im Hirngewebe über längere Zeit verfolgen.
Zur Verblüffung der Forscherinnen tauchten einzelne Plaques binnen 24 Stunden auf und hatten praktisch von Anfang an eine Größe, wie sie auch für die Amyloidplaques menschlicher Patienten typisch ist. Binnen eines Tages erschienen Mikrogliazellen – die “Müllabfuhr” des Gehirns – in der Nähe der Plaques, konnten diese jedoch in keinem Fall beseitigen. Rasch stellten sich auch Veränderungen an den umgebenden Nervenzellen ein. Deren Ausläufer krümmten sich förmlich und entwickelten binnen einer Woche Zeichen einer handfesten Schädigung.
In keinem Fall sei eine umgekehrte Abfolge beobachtet worden, wie sie für die Hypothese der Plaques als Begleiterscheinung sprechen würde, betont Bradley Hyman, der Leiter der Arbeitsgruppe. Die Proteinablagerungen könnten daher ein lohnendes Ziel für die Suche nach effektiven Medikamenten darstellen. “Wenn wir verstehen, welche Regeln die Bildung der Plaques bestimmen, liefert uns das vielleicht auch Ansätze, um diesen Prozess zu stoppen.”
Forschung: Melanie Meyer-Lühmann, Tara L. Spires-Jones und Bradley T. Hyman, Alzheimer’s Disease Research Laboratory, Department of Neurology, Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Charlestown; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 451, 7. Februar 2008, pp 720-4, DOI 10.1038/nature06616
WWW:
Mass General Institute for Neurodegenerative Disease
Alzheimer-Krankheit
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Forscher: Lernen könnte Alzheimer bremsen
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare