Warum Kratzen eine Wonne ist
Freitag, 1. Februar 2008, 6:01 • Rubrik Gesundheit, Medizin.
Ob Mückenstich oder Schuppenflechte – manchmal tut Kratzen dermaßen gut, dass man kaum damit aufhören kann. Warum das so ist, glauben amerikanische Forscher herausgefunden zu haben. Ihre Untersuchungen zeigen, dass das Kratzen beinahe betäubend auf Gehirnregionen wirkt, die mit der Verarbeitung unangenehmer Gefühle zu tun haben.
Foto: Mcininch /Dreamstime
“Daher ist es denkbar, dass das Kratzen die emotionale Komponente des Juckreizes unterdrückt und auf diese Weise Linderung verschafft”, erklärt Gil Yosipovitch von der Wake Forest University. Die verstärkte Aktivierung anderer Regionen könne dagegen verstehen helfen, warum das Kratzen mitunter zwanghaft werde, schreiben der Mediziner und seine Kollegen im “Journal of Investigative Dermatology”.
Yosipovitch und Kollegen führten ihre Versuche mit 13 gesunden Personen durch. Diese lagen in der Röhre eines Kernspintomographen, während alle 60 Sekunden die Haut ihrer Unterschenkel mit einer kleinen Bürste bearbeitet wurde. Die Forscher verfolgten, wie sich dabei die Durchblutung des Gehirns veränderte. Eine verstärkte Durchblutung deutet auf einen erhöhten Sauerstoffbedarf in einer Hirnregion und damit auf deren Aktivierung hin.
Je intensiver die Probanden das Kratzen empfanden, desto geringer war die Aktivität in jener großen Hirnwindung, die sich um die Verbindung zwischen den beiden Großhirnhälften legt. Vorderer und hinterer Teil dieses Gyrus cinguli seien unter anderem an der Wahrnehmung unangenehmer Reize und der Verarbeitung von Erinnerungen beteiligt, so Yosipovitch. Gleichzeitig habe das Kratzen den präfrontalen Kortex und damit eine Region aktiviert, die frühere Studien mit der Entwicklung von Zwangshandlungen in Verbindung gebracht hätten.
Forschung: Gil Yosipovitch und Robert C. Coghill, Department of Dermatology und Department of Neurobiology & Anatomy, Wake Forest University Baptist Medical Center, Winston-Salem, North Carolina; und andere
Online-Veröffentlichung Journal of Investigative Dermatology, 31. Januar 2008, DOI 10.1038/jid.2008.3
WWW:
Department of Dermatology, WFU Baptist Medical Center
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