Posted in: Biologie 31. Januar 2008 18:01 Weiter lesen →

Vögel navigieren mit Länge und Breite

Teichrohrsänger Das Navigationssystem im Vogelhirn ist sehr viel leistungsfähiger als gemeinhin angenommen. Entsprechende Resultate präsentieren russische und deutsche Forscher im Fachblatt „Current Biology“. Nachdem sie Teichrohrsänger gut 1.000 Kilometer weit nach Osten verfrachtet hatten, korrigierten die Zugvögel ihre Flugrichtung.

Teichrohrsänger.
Foto: Farmer /Dreamstime

Offenbar können Teichrohrsänger ihre Position entlang zweier Koordinaten bestimmen, vergleichbar Längen- und Breitengraden auf einer Karte, schließen Nikita Chernetsov vom Zoologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen. Auf welche Weise sie das bewerkstelligten, sei derzeit noch unklar.

Alljährlich kehren Teichrohrsänger im Frühling aus ihren afrikanischen Winterquartieren nach Europa zurück. Bislang hatte man angenommen, während dieser Reise könnten sie nur ihre momentane geographische Breite bestimmen – vergleichbar frühen Seefahrern, die anhand von Sonnenstand und Kalender zwar ermitteln konnten, wie weit nördlich oder südlich des Äquators sie sich befanden, bis zur Entwicklung verlässlicher Uhren aber nicht die momentane geographische Länge.

Chernetsov und seine Kollegen Dmitry Kishkinev und Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg testeten diese Vermutung, indem sie bei Rybatschi auf der Kurischen Nehrung Teichrohrsänger auf dem Frühjahrszug fingen und per Flugzeug 1.000 Kilometer weit nach Swenigorod verfrachteten – immer parallel zum 55. Breitenkreis. An der Ostseeküste noch gen Nordosten unterwegs, zog es die Tiere von ihrem neuen Standort aus gen Nordwesten.

Offenbar können Teichrohrsänger ihre Position auch entlang einer zweiten Koordinate bestimmen, schließen die Forscher. Über ähnliche Beobachtungen bei einem weiteren Langstreckenzieher hatte kürzlich eine andere Arbeitsgruppe berichtet. Vielleicht könnten solche Vogelarten räumliche Variationen in Stärke und Orientierung des Erdmagnetfeldes lesen, so Chernetsov und Kollegen. Vielleicht könnten sie aber auch leichte Diskrepanzen zwischen ihrer inneren Uhr und der Ortszeit feststellen.

Forschung: Nikita Chernetsov, Dmitry Kishkinev und Henrik Mouritsen, Biological Station Rybachy, Zoological Institute of the Russian Academy of Sciences, und Animal Navigation Group, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2008.01.018

WWW:
Biological Station Rybachy
AG Mouritsen, Uni Oldenburg
Teichrohrsänger
Das Erdmagnetfeld
Migration Basics

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