Posted in: Kultur, Psychologie 31. Januar 2008 12:39 Weiter lesen →

Jeder Musiker hört anders

Eine Konzertmusikerin spielt eine Violine Die Kinder von Musikern sind häufig ebenfalls besonders musikalisch. Der Grund dafür ist allerdings nicht, dass die Musik in manchen Familien „im Blut“ liegt, glaubt eine amerikanische Forscherin. Ihren Untersuchungen zufolge, reagieren die Gehirne von Musikern deutlich stärker auf Klänge des eigenen Instruments als auf die von anderen.

Foto: gizmo/ Stockxpert

Ein derart spezieller Unterschied lasse sich kaum auf eine genetische Veranlagung zurückführen, erklärt Elizabeth Hellmuth Margulis von der University of Arkansas. Viel wichtiger seien offenbar das jahrelange Spielen eines Instruments und die damit einhergehenden Erfahrungen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass sich die Gehirne von Musikern und Nichtmusikern sowohl in der Reaktion als auch in der Größe einzelner Hirnregionen unterscheiden. Um mehr über den Einfluss des Erbguts herauszufinden, verglichen Margulis und ihre Kollegen nun klassisch ausgebildete Flötisten und Violinisten. Diese hörten Ausschnitte aus Bachschen Solowerken für das eigene und das jeweils andere Instrument, während ihre Gehirnaktivität per Kernspintomograph kartiert wurde.

„Der Unterschied zwischen den Gruppen sollte minimal sein“, so Margulis weiter. „Beide haben reichlich Erfahrung mit dem Hören, Spielen und Analysieren klassischer Musik.“ Tatsächlich wurden aber deutlich mehr Hirnareale aktiviert, wenn die Flötisten Flöten und die Violinisten Violinen hörten. Unter diesen Arealen waren solche, die an der Wahrnehmung des eigenen Körpers, an der Muskelsteuerung und an der Unterdrückung unerwünschter Bewegungen beteiligt sind, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Human Brain Mapping“.

Offenbar seien das eigenhändige Musizieren und das „Mitfiebern“ beim Hören geeignet, eine besonders enge Verbindung zur Musik aufzubauen, folgert die Forscherin. Diese Ansicht stehe im Gegensatz zur Etikette auf klassischen Konzerten, die ein regloses Würdigen der Darbietung verlange – ohne Mitsummen der Melodie und ohne Mitklopfen des Rhythmus.

Forschung: Elizabeth Hellmuth Margulis, Department of Music, University of Arkansas, Fayetteville; Patrick C.M. Wong, Department of Communication Sciences and Disorders und Inderdepartmental Neuroscience Program, Northwestern University, Evanston, Illinois; und andere

Veröffentlichung Human Brain Mapping, DOI 10.1002/hbm.20503

WWW:
Music Department, University of Arkansas
Die Suche nach der Genieformel
Macht Musizieren intelligent?

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