Posted in: Anthropologie, Archäologie, Kultur 30. Januar 2008 11:37 Weiter lesen →

Nazca: Bergbau für Farbenpracht

Foto: Brillenträger hält eine kleine, mit intensiven braunen, roten und weißlichen Farbtönen verzierte Tonschale in die KameraDie Nazca in Südamerika haben sich mit kilometergroßen Bodenbildern ein bleibendes Denkmal gesetzt. Und auch, wenn es um die Verzierung des eigenen Körpers und von Gegenständen ging, legte das Andenvolk rege Betriebsamkeit an den Tag, haben amerikanische und peruanische Forscher entdeckt. Im Süden Perus fanden sie eine alte Grube, in der schon vor 2.000 Jahren im großen Stil Ocker gewonnen wurde.

Der Anthropologe Kevin Vaughn zeigt eine Tonscherbe mit nazcatypischer Verzierung aus dem 5. Jahrhundert. Foto: Purdue News Service/David Umberger

Über viele Jahrhunderte wurde in der Grube das Eisenoxid-Mineral Hämatit aus dem Fels gebrochen und dann zu leuchtend rotem Ocker zermahlen, glauben Kevin Vaughn von der Purdue University und seine Kollegen. „Damit haben wir die erste Hämatitmine in Südamerika aus der Zeit vor der spanischen Eroberung entdeckt“, so der Forscher. Das rote Pigment sei für die Nazca und für die nachfolgenden Wari offenbar so wichtig gewesen, dass sie seine Gewinnung im großen Maßstab betrieben hätten.

In der Alten Welt, speziell in Afrika, seien Eisenmineralien schon vor mindestens 28.000 Jahren abgebaut worden, erläutern Vaughn und seine Kollegen im Fachblatt „JOM“. Über entsprechende Aktivitäten in der Neuen Welt sei bislang jedoch nur wenig bekannt gewesen. Um das zu ändern, führten die Anthropologen und Archäologen eine systematische Erkundung der Bodenschätze in der südlichen Küstenregion Perus durch. Dabei stießen sie in einem steilen Felshang im Ingénio-Tal auf eine Höhle, in der moderne Bergleute noch bis vor kurzem Sprengstoff und Werkzeuge gelagert hatten.

Tatsächlich war die gut 500 Quadratmeter große Höhle schon sehr viel früher „in Gebrauch“, stellten die Forscher fest. Bei ersten Grabungen fanden sie alte Steinwerkzeuge, Scherben von bunt verzierten Töpferwaren, Textilien aus Baumwolle, Bast und Wolle sowie Teile von Austernschalen, Maiskolben und Flaschenkürbissen. Die Radiokohlenstoff-Datierung ergab, dass die organischen Fragmente 500 bis 1.960 Jahre alt sind.

Vaughn und Kollegen deuten ihre Fundstücke als Utensilien und Abfälle von Nazca- und Wari-Bergleuten. Diese haben möglicherweise in der „Mina Primavera“ selbst, vielleicht aber auch in einer kürzlich entdeckten Siedlung in der Nähe genächtigt und wurden aus dem Umland mit Werkzeugen und Lebensmitteln versorgt. Über einen Zeitraum von gut 1.400 Jahren brachen sie 700 Kubikmeter Gestein mit einer Masse von 3.700 Tonnen aus dem Berg, um den Nachschub an dem begehrten Ockerpigment zu gewährleisten.

Forschung: Kevin J. Vaughn, Department of Sociology and Anthropology, Purdue University, West Lafayette, Indiana; Moises Linares Grados, Proyecto Nasca Temprano, Lima; und andere

Veröffentlichung JOM – Journal of the Minerals, Metals & Materials Society, Vol. 59(12), pp 16-20

WWW:
Kevin Vaughn, Purdue University
Proyecto Nasca Temprano
Hämatit – Rötel – roter Ocker
Nasca-Palpa, Deutsches Archäologisches Institut
Nasca – Langsam lüftet sich das Geheimnis

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Flagge zeigen mit Bodenbildern
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