Posted in: Medizin, Physik 30. Januar 2008 16:31 Weiter lesen →

Geburtsjahr am Auge ablesbar

Foto: Nahaufnahme eines relativ weit geöffneten Auges mit blau-grüner Iris und enger Pupille in einem faltigen GesichtDas Geburtsjahr eines Menschen lässt sich mit erstaunlicher Genauigkeit an seinen Augen ablesen, haben dänische Mediziner und Physiker ermittelt. Das gilt zumindest für Personen, die nach dem Jahr 1960 auf die Welt gekommen sind. Ihre Linsen haben umso weniger radioaktiven Kohlenstoff eingelagert, je später nach dem Ende der oberirdischen Kernwaffentests sie gebildet worden sind.

Foto: NIH-National Eye Institute

Nach dem 1. Lebensjahr wachse die Linse im menschlichen Auge nur noch minimal, erläutern die Forscher um Niels Lynnerup von der Universität Kopenhagen im Fachblatt „PLoS One“. Daher spiegle der Gehalt an Kohlenstoff-14 in den Linsenproteinen den Gehalt in der Atmosphäre zum Zeitpunkt der Geburt wieder. Und dieser Wert nehme seit dem Stopp oberirdischer Kernwaffentests exponentiell ab, indem das Isotop aus der Luft ins Meerwasser übergehe.

Für ihre Pilotstudie analysierten Lynnerup und Kollegen die Linsen von 13 Verstorbenen. Die Forscher isolierten die besonders alten Linsenkerne und ermittelten per Massenspektrometrie den Anteil des Kohlenstoffisotops C-14 darin. Glichen sie diesen Wert mit der Kurve des C-14-Gehaltes in der Atmosphäre ab, erhielten sie bereits einen auf 3 Jahre genauen Wert für das Geburtsjahr. Die Genauigkeit stieg auf 1 Jahr, wenn sie mit einem einfachen mathematischen Modell das langsame Linsenwachstum in späteren Lebensjahren berücksichtigten.

Lediglich bei zwei Personen, die vor 1955 und damit vor dem „Bombenpuls“ geboren worden waren, ergaben sich erwartungsgemäß die gleichen, zu niedrigen Schätzwerte.

Ähnliche Resultate hatte eine schwedisch-amerikanische Forschergruppe vor einigen Jahren bei der Analyse von Zahnschmelz erhalten. Umso bemerkenswerter sei es, so Lynnerup und Kollegen, dass die weiche und bei jedem Fokussieren des Blicks durchgewalkte Linse ebenfalls einen akkuraten Zeitmesser abgebe. Die neuen Resultate eröffneten nicht nur einen alternativen Weg zur Altersbestimmung. Sie zeigten auch, wie man die Regeneration anderer Gewebe oder sogar das Wachstum von Tumoren durch regelmäßiges Messen des C-14-Gehaltes verfolgen könne.

Forschung: Niels Lynnerup, Steffen Heegard und Christina Jacobsen, Retsmedicinsk Institut und Øjenpatologisk Institut, Københavns Universitet; Henrik Kjeldsen und Jan Heinemeier, Institut for Fysik og Astronomi, Aarhus Universitet, Århus

Veröffentlichung PloS One, Vol. 3(1), e1529, DOI 10.1371/journal.pone.0001529

WWW:
Der Artikel online
Retsmedicinsk Institut, Københavns Universitet
C-14 Background
Bau und Funktion der Linse

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kernwaffen-Zeitstempel im Zahnschmelz
Seeigel werden bis zu 200 Jahre alt

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