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Wie Stare Kontakt halten

29. Januar 2008 |

Foto: Zu langen 'Teppichen' ausgezogene Vogelschwärme am Himmel, dessen Farbe zum Horizont hin von hellblau zu hellrot übergeht Bevor Stare ihre Schlafplätze aufsuchen, bilden sie große Schwärme am Abendhimmel. Diese imposanten Gebilde funktionieren anders als bisher angenommen, lassen Beobachtungen italienischer Forscher vermuten. Wenn sich die Vögel im Flug an ihren nächsten Nachbarn orientieren, scheint der räumliche Abstand keine Rolle zu spielen. Ein Vorteil dieses Mechanismus: Angreifende Greifvögel können die Schwärme kaum sprengen.

Die bemerkenswerte “Zähigkeit” von Starenschwärmen könnte darin begründet liegen, dass die Vögel ein topologisches Abstandsmaß nutzen. Foto: Courtesy of the STARFLAG Project, INFM-CNR

Bislang sei man davon ausgegangen, dass sich jeder Vogel nach sämtlichen Nachbarn innerhalb eines bestimmten Abstandes richte, schreibt die Gruppe um Giorgio Parisi von der Universität Rom in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Statt des Abstandes scheine aber vielmehr die Gehirnkapazität die Obergrenze zu setzen. Jeder Vogel könne gleichzeitig sechs bis sieben Artgenossen im Auge behalten.

Von Staren über Heringe und Heuschrecken bis hin zu Gnus - viele Tiere bilden zu den verschiedensten Anlässen dichte Gruppen. Was große Schwärme, Schulen oder Herden zusammen hält, konnte mangels Daten bislang nur mit Computermodellen untersucht werden. Parisi und Kollegen setzten nun eine Batterie von sechs Kameras ein, um die allabendlichen, aus mehreren Tausend Individuen bestehenden Starenschwärme über dem Vorplatz des Bahnhofs Roma Termini zu filmen.

Die von verschiedenen Standpunkten synchron geschossenen Bilder setzten die Forscher im Computer zu dreidimensionalen Modellen der Schwärme zusammen. Deren Betrachtung ergab, dass die Vögel den nächsten Nachbarn am liebsten neben und etwas über bzw. unter sich hatten. Erst ab dem sechsten bis siebten Nachbarn war keine bevorzugte Position mehr nachweisbar. Erstaunlicherweise war dieser Wert unabhängig von der Dichte des Schwarms - es spielte keine Rolle, ob der achtnächste Nachbar 2 oder 5 Meter weit entfernt war.

Selbst in einem dichten Schwarm hätten die Vögel freie Sicht auf mehr als sieben Nachbarn, so Parisi und Kollegen weiter. Zudem hätten Laborversuche gezeigt, dass Tauben Mengen von höchstens sieben Elementen unterscheiden könnten. Daher liege die Vermutung nahe, dass die Verarbeitungskapazität der Stare ab dem achten Nachbar ausgeschöpft sei.

Forschung: Michele Ballerini, Nicola Cabibbo, Andrea Cavagna und Giorgio Parisi, Centre for Statistical Mechanics and Complexity, Istituto Nazionale per la Fisica della Materia, Consiglio Nazionale delle Ricerche (INAM-CNR), und Dipartimento di Fisica, Università di Roma “La Sapienza”; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0711437105

WWW:
Dipartimento di Fisica, Uni Rom
EU-Projekt Starflag
Europäischer Star

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