Alter Einschlag vergiftet Grundwasser
23. Januar 2008 |
Einschläge werden häufig mit immensen Druckwellen und Staubwolken in Verbindung gebracht, die ganzen Kulturen den Untergang bringen. Die Effekte können jedoch sehr viel subtiler sein, demonstriert die Arbeit eines neuseeländischen Geowissenschaftlers. Ein vor Äonen erfolgter Meteoriteneinschlag in Kanada wirkt sich noch heute auf die Chemie des örtlichen Grundwassers aus.
Einschläge können beeindruckende Narben hinterlassen - etwa den Lake Manicouagan in der kanadischen Provinz Québec. Ihre Effekte können aber auch weniger offensichtlich sein. Bild: NASA/GSFC/LaRC/JPL, MISR Team
Insbesondere die hohen Fluoridgehalte im Grundwasser von Gypsumville in der kanadischen Provinz Manitoba lassen sich auf diese Weise erklären, berichtet Matthew Leybourne vom Forschungsinstitut GNS Science gemeinsam mit kanadischen und amerikanischen Kollegen im Fachblatt “Geology”. Die kleine Ortschaft nahe des Lake St. Martin liegt in einem rund 40 Kilometer weiten und schätzungsweise 220 Millionen Jahre alten Einschlagkrater, der sich im Laufe der Zeit mit anderen Gesteinen gefüllt hat - darunter der für den Ort namensgebende Gips.
Das Grundwasser in Gypsumville und der näheren Umgebung ist sehr salz- und sulfathaltig, weist einen hohen pH-Wert auf und enthält bis zu 15,2 Milligramm Fluorid pro Liter - zehnmal mehr als in Kanada und auch in Deutschland erlaubt ist. Solches Trinkwasser greift auf Dauer den Zahnschmelz an und führt zur Gelenkversteifung und neurologischen Problemen. Außerhalb der Impaktstruktur weist das Grundwasser dagegen keine Besonderheiten auf.
Die Ursache vermuten Leybourne und Kollegen in einem verhängnisvollen Wechselspiel zwischen der jüngeren Füllung des Kraters und dem alten, beim Einschlag zerschmetterten Granit und Kalkstein. Wenn Regenwasser durch das jüngere Gestein sickert, verwandelt es sich in eine schwache, sulfat- und karbonathaltige Lauge. Kommt diese schließlich mit dem besonders porösen Granit in Kontakt, kann sie daraus per Ionenaustausch reichlich Fluorid- und andere Ionen lösen.
Forschung: Matthew I. Leybourne, GNS Science, Lower Hutt, Neuseeland; Jan M. Peter und Daniel R. Boyle, Geological Survey of Canada, Ottawa, Ontario; und Karen H. Johannesson, Department of Earth and Environmental Sciences, Tulane University, New Orleans, Louisiana
Veröffentlichung Geology, Vol. 36(2), Februar 2008, pp 115-8, DOI 10.1130/G24135A.1
WWW:
GNS Science
Earth Impact Database
- Saint Martin
Wie funktioniert ein Ionenaustauscher?
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Einschläge halfen dem Leben auf die Sprünge



Antikörper