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Warum Fliegen entspannt abheben

22. Januar 2008 |

Foto einer Drosophila, kleine bräunliche Fliege mit dunkel geränderten Segmenten und roten AugenTaufliegen verfügen über einen reflexartigen “Alarmstart”, bei dem sie in die Luft springen und erst dann die Flügel einsetzen. Warum sie noch einen vergleichsweise umständlichen Startvorgang kennen, glaubt eine amerikanische Forscherin herausgefunden zu haben. Der Alarmstart versetzt die kleinen Fliegen derart ins Taumeln, dass sie sich nur mit Mühe wieder fangen können.

Foto: NASA

Offenbar sei dieser Zustand derart ungünstig, dass die Fliegen den Alarmstart nur dann benutzten, wenn tatsächlich Gefahr drohe, folgern Gwyneth Card und ihr Doktorvater Michael Dickinson vom California Institute of Technology. Ihre Beobachtungen präsentieren sie im “Journal of Experimental Biology”.

Für ihre Studie setzten Card und Dickinson mehrere Hochgeschwindigkeitskameras ein, die mit einer Reihe von Computern gekoppelt waren. Mit Hilfe dieses Systems verfolgten sie, wie Taufliegen (Drosophila melanogaster) nach Lust und Laune oder aufgeschreckt durch einen rasch größer werdenden Schatten von einem Glasstab abhoben.

Im ersten Fall hoben die Fliegen zunächst die Flügel und schlugen sie dann abwärts, während sie gleichzeitig ihr mittleres Beinpaar durchdrückten. Allein für das Heben der Flügel ließen sie sich bis zu 40 Millisekunden Zeit. Ganz anders dagegen der Alarmstart: Ohne sich um die Flügel zu kümmern, drückten die Tiere rasch das mittlere Beinpaar durch und waren so in weniger als 5 Millisekunden in der Luft.

Nach dem Katapultstart brachten es die kaum 3 Millimeter großen Taufliegen kurzfristig auf Geschwindigkeiten von bis zu 0,6 Meter pro Sekunde - doppelt so schnell wie nach dem entspannten Abheben. Diesen Vorteil erkauften sie allerdings mit einer extrem instabilen Fluglage, fanden Card und Dickinson. Bis sich die Fliegen durch hastiges Flügelschlagen wieder gefangen hatten, rotierten ihre Körper bis zu 16 Mal pro Sekunde um Quer- und Hochachse und bis zu 28 Mal pro Sekunde um die Längsachse - ein Wert, den ein typischer Autoreifen erst bei Tempo 200 erreicht.

Forschung: Gwyneth Card und Michael Dickinson, Bioengineering, California Institute of Technology, Pasadena

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 211, pp 341-53, DOI 10.1242/jeb.012682

WWW:
Dickinson Lab, California Institute of Technology
Drosophila melanogaster
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