Frauen sind dickköpfig, Männer auch
22. Januar 2008 |
Frauen und Männer sind beide irgendwie “dickschädelig”. Zu diesem salomonischen Urteil kommt eine chinesisch-amerikanische Forschergruppe nach der Vermessung von rund 3.000 Köpfen. Ihre Resultate bestätigen frühere Studien, denen zufolge Männer etwas voluminösere Schädel haben als Frauen. Die stabileren Schädelknochen finden sich allerdings bei den Frauen.
Im Bau des Schädels bestehen einige geschlechtsbedingte Unterschiede. Kupferstich: Giulio Casseri (1552-1616), National Library of Medicine
Die Resultate könnten dazu beitragen, besonders effektive Airbags, Helme und andere Schutzsysteme für Straßenverkehr und Sport zu entwickeln, hoffen die Forscher um Haiyan Li von der Tianjin University of Science and Technology. “Verlässliche biomechanische Daten über die Geometrie des menschlichen Schädels helfen uns, das Problem aufprallbedingter Kopfverletzungen besser zu verstehen”, schreiben sie im “International Journal of Vehicle Safety”.
Bereits in den 70er-Jahren war über geschlechtsbedingte Unterschiede in Form und Bau der Schädelknochen berichtet worden. Spätere Studien waren jedoch zu dem Schluss gekommen, diese Unterschiede seien statistisch nicht relevant. Li und Kollegen wollten es nun genau wissen: Die Gruppe analysierte Daten von rund 3.000 Patienten einer örtlichen Klinik, bei denen eine Computertomographie des Schädels nötig geworden war.
Das Resultat: Während die Stirnbeine bei Männern im Schnitt 6,6 Millimeter dick sind, bringen sie es bei Frauen auf 7,5 Millimeter. Ähnliche Unterschiede ergaben sich für das Hinterhauptsbein und - wenn auch nur schwach ausgeprägt - für die Scheitelbeine. Umgekehrt die Verhältnisse bei Tiefe und Breite des Schädels: Bei Frauen waren es im Schnitt 171 Millimeter von Stirn bis Hinterhaupt und 140 Millimeter von Schläfe zu Schläfe. Männer brachten es auf 176 bzw. 145 Millimeter.
Die Werte sind allerdings nicht normalverteilt, berichtet die Gruppe. Werte unterhalb oder oberhalb des Mittelwerts werden also nicht in einem Maße seltener, wie es einer Gaußschen Glockenkurve entsprechen würde. Dieser Umstand müsse nicht nur bei der statistischen Analyse berücksichtigt werden, sondern auch bei der Auslegung von Schutzvorrichtungen.
Forschung: Haiyan Li, College of Mechanical Engineering, Tianjin University of Science and Technology, Tianjin; Jesse Ruan, Ford Motor Company, Dearborn, Michigan; und andere
Veröffentlichung International Journal of Vehicle Safety, Vol. 2(4), pp 345-67, DOI 10.1504/IJVS.2007.016747
WWW:
Tianjin University of Science and Technology
Anatomie des Schädels
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