Posted in: Biologie 17. Januar 2008 12:59 Weiter lesen →

Parasit lässt Ameisen erröten

Ameisen der Art Cephalotes atratus Von vielen Parasiten ist bekannt, dass sie ihren Wirt manipulieren, um ihre Verbreitung zu begünstigen. Besonders raffiniert geht ein Schmarotzer vor, den amerikanische Forscher im Regenwald Panamas entdeckt haben. Bei Ameisen, die mit den Nematoden infiziert sind, färbt sich der Hinterleib leuchtend rot. Zudem entwickeln die Tiere die Neigung, ihren Hinterleib in die Höhe zu strecken. Auf hungrige Vögel könnten sie daher wie reife Früchte im Blätterdach wirken.

Ameisen der Art Cephalotes atratus.
Foto: Steve Yanoviak /University of California, Berkeley

Zahlreiche Pflanzen im Lebensraum der Ameisen produzierten orangerote Früchte von ganz ähnlicher Größe, erläutert Stephen Yanoviak von der University of Arkansas in Little Rock. Daher könnten Vögel, obgleich sie die übel schmeckenden Ameisen normalerweise verschmähten, durchaus anfällig für dieses optischen Trick sein. Der Vogelkot und die darin enthaltenen Nematodeneier würden wiederum von den Ameisen an ihre Larven verfüttert.

Yanoviak und Kollegen stießen rein zufällig auf das Phänomen, als sie in Panama den „Gleitflug“ von Ameisen der Art Cephalotes atratus studierten. Den Forschern fiel auf, dass der Hinterleib einiger Tiere eine rote Farbe statt der normalen bräunlich-schwarzen Färbung aufwies. Zunächst vermuteten sie, es könnte sich um Angehörige einer anderen Cephalotes-Art handeln. Die Untersuchung im Labor ergab jedoch, dass der auffällig gefärbte Hinterleib voller Nematodeneier war.

Nach der Untersuchung von einigen Tausend Ameisen aus Peru und Panama schätzt Yanoviak, dass etwa jedes zwanzigste Tier in einem Cephalotes-Volk mit den Nematoden infiziert ist. Die Parasiten gehören zur neuen Spezies Myrmeconema neotropicum, die der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Systematic Parasitology“ beschreiben. Über die Rolle der Art als Schmarotzer in Ameisen berichten sie demnächst im Fachblatt „American Naturalist“.

Forschung: Stephen P. Yanoviak, Florida Medical Entomology Laboratory, University of Florida, Vero Beach, und Department of Biology, University of Arkansas at Little Rock; Robert Dudley, Smithsonian Tropical Research Institute, Balboa, Panama und Department of Integrative Biology, University of California, Berkeley; und andere

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 171, April 2008, und Systematic Parasitology, Vol. 69(2), pp 145-53, DOI 10.1007/s11230-007-9125-3

WWW:
Homepage Stephen Yanoviak
Dudley Lab, UC Berkeley
Cephalotes atratus
Fadenwürmer

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