Posted in: Medizin 17. Januar 2008 15:12 Weiter lesen →

Katzenparasit kommt vor der Schizophrenie

Mikroskopaufnahme zeigt einige, an gekrümmte Spindeln erinnernde Toxoplasma-ZellenDie Infektion mit dem Katzenparasiten Toxoplasma gondii begünstigt beim Menschen die Ausprägung einer Schizophrenie. Diese Vermutung bekräftigt eine Studie, die amerikanische Mediziner mit Militärangehörigen durchgeführt haben. Besonders deutlich ist der Zusammenhang demnach, wenn die Infektion vor der Diagnose der Schizophrenie stattgefunden hat.

Aus einer Maus isolierte Zellen von Toxoplasma gondii. Bild: CDC/Dr. L.L. Moore, Jr.

Aus einer Reihe von Studien sei bereits bekannt, dass Schizophrenie-Patienten relativ häufig Antikörper gegen Toxoplasma gondii besäßen, erläutert Robert Yolken von der Johns Hopkins University. Über die zeitliche Abfolge habe man bislang jedoch keine klaren Aussagen machen können. „Unsere neue Studie zeigt nun, dass die Infektion zuerst kommt.“

Toxoplasma gondii ist ein Einzeller, der im Darm von Katzen lebt. Seine Verbreitungsstadien gelangen mit dem Kot ins Freie und können dort von Nagern, aber auch von Nutztieren aufgenommen werden. In deren Fleisch bilden sich Dauerzysten, die wiederum von Katzen gefressen werden können. Auch Menschen infizieren sich relativ häufig, meist an verschmutztem Gemüse und nicht ausreichend gegarten Fleisch. Die Infektion verläuft meist unbemerkt, allerdings können die Parasitenzellen lebenslang im Körper überdauern.

Yolken und Kollegen analysierten Daten von 180 Militärangehörigen, die aufgrund schwerer Schizophrenie aus dem Dienst entlassen worden waren. Von allen waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten Blutproben genommen und eingefroren worden.

Im Blut von 13 Patienten waren Antikörper gegen Toxoplasma gondii schon vor der Diagnose Schizophrenie nachweisbar. Von 532 gesunden Militärangehörigen wiesen dagegen nur 5 Prozent entsprechende Antikörper auf, berichten die Forscher im „American Journal of Psychiatry“. Sie schätzen, dass eine Toxoplasma-Infektion das Risiko für Schizophrenie um ein Viertel erhöht.

„Unsere Ergebnisse liefern die stärkste jemals beobachtete Verbindung zwischen der Infektion mit diesem weit verbreiteten Katzenparasit und der nachfolgenden Entwicklung einer Schizophrenie“, so Yolken weiter. Auf welche Weise der Einzeller eine Schizophrenie begünstigen könnte, ist unklar. Des ungeachtet wollen der Mediziner und seine Kollegen testen, ob sich der Zustand der Patienten verbessert, wenn diese hochdosierte Wirkstoffe gegen den Parasiten einnehmen.

Forschung: David W. Niebuhr und Natalya S. Weber, Division of Preventive Medicine, Walter Reed Army Institute of Research, Silver Spring, Maryland; Robert Yolken, Division of Infectious Diseases, Johns Hopkins Children’s Center, Baltimore, Maryland; und andere

Veröffentlichung American Journal of Psychiatry, Vol. 165, pp 99-106, DOI 10.1176/appi.ajp.2007.06081254

WWW:
Walter Reed Army Institute of Research
Johns Hopkins Children’s Center
Subtile Einflüsse eines Katzenparasiten
Kompetenznetz Shizophrenie
Toxoplasma gondii

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