Menschen haben eine soziale Nase
Mittwoch, 16. Januar 2008, 9:07 • Rubrik Biologie, Chemie, Genetik.
Die Nase könnte beim Menschen eine bislang unterschätzte Rolle in sozialen Dingen spielen. Diese Ansicht bekräftigen Resultate, die Potsdamer Forscher bei Tests an Zellkulturen gewonnen haben. Die 5 Pheromonrezeptoren des Menschen sind demnach keine stammesgeschichtlichen Relikte, sondern durchaus funktionsfähig. Aktiviert werden sie durch Duftstoffe, wie sie unter anderem in Achselschweiß und Orangensaft vorkommen.
Foto: keeweeboy/ Stockxpert
Im Verein mit früheren Resultaten ließen die neuen Daten vermuten, “dass einige der von uns identifizierten Duftstoffe sowohl als Aromastoffe als auch als Pheromon wirken könnten”, erklärt Dietmar Krautwurst vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Um diese Vermutung endgültig belegen zu können, müsse man studieren, welche Reaktion die jeweiligen Duftstoffe im Gehirn auslösten.
Von vielen Tierarten ist bekannt, dass sie ausführlich über Duftstoffe miteinander kommunizieren, die beispielsweise als Sexuallockstoffe fungieren oder eine Alarmreaktion auslösen. So besitzt die Maus mehr als 180 Gene für die zugehörigen Pheromonrezeptoren. Vom Mensch sind dagegen nur 5 Gene für vomeronasale Rezeptoren vom Typ 1 (VN1R) bekannt. Ob diese überhaupt noch aktiv sind, ob die von ihnen codierten Proteine noch Signale liefern und welche Rolle diese Signale spielen könnten, war bislang jedoch unklar.
Krautwurst und Kollegen führten ihre Messungen an menschlichen Kulturzellen durch, in die sie die entsprechenden Rezeptorgene samt weiterer “Hilfsgene” eingeschleust hatten. Von 140 getesteten Duftstoffen lösten 19 eine Reaktion in diesen Zellen aus, berichtet die Gruppe im “FASEB Journal”. Bei den Substanzen handelt es sich typischerweise um kurzkettige Alkohole und Aldehyde. Einige davon waren bereits in Achselschweiß nachgewiesen worden und könnten daher der zwischenmenschlichen Kommunikation dienen. Zugleich kommen sie aber auch in Orangensaft oder gekochtem Reis vor. Möglicherweise entscheiden sie mit darüber, ob das Aroma dieser Lebensmittel als angenehm oder abstoßend wahrgenommen wird.
Forschung: Elena Shirokova, Jan Dirk Raguse, Wolfgang Meyerhof und Dietmar Krautwurst, Abteilung Molekulare Genetik, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke
Veröffentlichung FASEB Journal, DOI 10.1096/fj.07-9233com
WWW:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Riechen – von der Nase ins Gehirn
The Vomeronasal Organ
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