Posted in: Genetik, Medizin 10. Januar 2008 20:01 Weiter lesen →

Wie sich HIV abhängig macht

HIV “budding” out of T-cell. courtesy, Dr. Tom Folks, NIAID Das Immunschwächevirus HIV besitzt nur wenige eigene Proteine – für die meisten Schritte in seinem Lebenszyklus verlässt es sich auf die Wirtszelle. Wo genau dies der Fall ist, haben amerikanische Genetiker im Rahmen einer groß angelegten Studie ermittelt. Damit das Virus eine Zelle befallen und schließlich Kopien seiner selbst hervorbringen kann, braucht es demnach nicht weniger als 273 Wirtsgene.

Ein HI-Virus verlässt seine Wirtszelle. Bild: Tom Folks, NIAID

Bislang habe man von lediglich 36 dieser Gene gewusst, dass sie direkt oder indirekt für eine HIV-Infektion wichtig seien, schreibt die Gruppe um Stephen Elledge von der Harvard University im Magazin „Science“.

Die erweiterte Liste sei in erster Linie ein großer Hypothesen-Generator, so Elledge: „Wissenschaftler können sich diese Liste vornehmen, Vermutungen darüber anstellen, warum HIV ein bestimmtes Protein benötigt, und diese testen.“ Darüber hinaus eröffneten die neuen Resultate eine Vielzahl möglicher Ansatzpunkte zur Behandlung der Infektion.

Elledge und Kollegen gaben HIV-1 zu menschlichen Kulturzellen, in denen sie mit Hilfe kurzer RNA-Moleküle jeweils eines von 21.121 Genen ausgeschaltet hatten. Dann verfolgten sie, ob das Virus Probleme hatte, sich in den Zellen einzunisten und diese zur Produktion und Freisetzung neuer Viren zu bringen.

Unter den so identifizierten Genen sind einige naheliegende Kandidaten – beispielsweise die Gene für jene Rezeptoren, die HIV zum Andocken an eine Wirtszelle benötigt. Andere wiederum, etwa Proteine für die „Selbstverdauung“ von Zellbestandteilen, wären ohne systematische Prüfung wohl kaum mit HIV in Verbindung gebracht worden.

Zwar gibt es eine Reihe von Wirkstoffen gegen HIV-eigene Proteine. Nicht selten wird das wandlungsfähige Virus jedoch resistent gegen diese Wirkstoffe, indem es die Gestalt des jeweils anvisierten Proteins verändert. Umso verlockender erscheine es, die für HIV wichtigen Wirtsproteine als Angriffsziele zu nutzen, so Elledge weiter. „Mit solchen Wirkstoffen könnte das Virus nicht einfach fertig werden, indem es mutiert.“

Forschung: Abraham L. Brass und Stephen J. Elledge, Department of Genetics, Brigham and Women’s Hospital, und Gastrointestinal Unit, Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston; und andere

Veröffentlichung Science Express, 10. Januar 2008, DOI 10.1126/science.1152725

WWW:
Elledge Lab, Harvard University
HIV/AIDS
How HIV Causes AIDS
RNA-Interferenz

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
HIV an der Wurzel packen

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