Posted in: Biologie, Chemie, Physik 4. Januar 2008 18:37 Weiter lesen →

Schleimpilz mit Rhythmusgefühl

Auch vermeintlich niedere Lebewesen können ein bemerkenswertes Verhalten an den Tag legen. Das zeigen Versuche, die japanische Forscher mit einem Schleimpilz durchgeführt haben. Auf regelmäßig variierende Umweltbedingungen eingestimmt, schienen dessen Zellmassen die nächste Veränderung förmlich zu erwarten.

Selbst wenn die nächste planmäßige Veränderung der Umweltbedingungen ausblieb, bremste die Zellmasse ihre Fortbewegung, berichten Tetsu Saigusa von der Hokkaido-Universität und seine Kollegen im Fachblatt „Physical Review Letters“.

Die Forscher verfolgten, wie die mit bloßem Auge sichtbaren Zellmassen des Schleimpilzes Physarum polycephalum über eine Unterlage aus Haferflocken krochen. Alle zehn Minuten wurden die an übergroße Amöben erinnernden Plasmodien einem Stoß kühler und trockener Luft ausgesetzt. Daraufhin bremsten sie ihre Fortbewegung, bis wieder feucht-warme Bedingungen hergestellt waren.

Nach dem dritten Puls hielten die Forscher die Bedingungen konstant. Des ungeachtet bremsten die Plasmodien ihre Bewegung zehn Minuten später erneut. Blieben mehrere Pulse aus, verschwand die rhythmische Verhaltensänderung allmählich wieder. Allerdings schienen die Zellmassen ihre Lektion nicht vollständig zu vergessen: Schon ein einziger kühl-trockener Luftstoß genügte, um sie wieder in den erlernten Rhythmus verfallen zu lassen.

Mangels Nervensystem oder gar Gehirn handle es sich nicht um Lern- und Erinnerungsprozesse im eigentlichen Sinne, betonen Saigusa und Kollegen. Ihrer Ansicht nach könnte das erstaunliche „Rhythmusgefühl“ des Schleimpilzes vielmehr daher rühren, dass wellenartige Veränderungen des Cytoskeletts durch die großen Zellmassen laufen.

Forschung: Tetsu Saigusa und Toshiyuki Nakagaki, Graduate School of Engineering und Research Institute for Electronic Science, Hokkaido University, Sapporo; und andere

Veröffentlichung Physical Review Letters, Vol. 100, Artikel 018101, DOI 10.1103/PhysRevLett.100.018101, und Präsentation auf der European Conference on Complex Systems 2007, Dresden

WWW:
Laboratory of Cellular Informatics, Hokkaido University
Myxomycota

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