Bernstein aus französischem Urzeit-Dschungel
Freitag, 4. Januar 2008, 13:27 • Rubrik Chemie, Geologie, Paläontologie.
Vor gut 55 Millionen Jahren war der Norden Frankreichs von einem tropischen Regenwald bedeckt. Für diese Ansicht spricht die Entdeckung einer ungewöhnlichen chemischen Verbindung in Bernstein aus der Region. Eine ähnliche Verbindung wird heute von Bäumen im Amazonasbecken produziert.
Foto: André Nel, Muséum National d’Histoire Naturelle, Paris
Dieses Resultat “deutet darauf hin, dass die Region zu Beginn des Eozän ein heißes Klima aufwies”, schreibt die Gruppe um Jean Jossang vom Nationalen Museum für Naturgeschichte, Paris, im “Journal of Organic Chemistry”. Diese Annahme stehe im Einklang mit früheren Erkenntnissen über das Klima vor 55 Millionen Jahren und über die Bewegung der Erdplatten.
Jossang und Kollegen analysierten Bernstein aus der Nähe der nordfranzösischen Ortschaft Le Quesnoy. Erst im Jahr 1997 entdeckt, birgt das Vorkommen viele ungewöhnlich gut erhaltene Fossilien – darunter Vertreter von mehreren Hundert Insektenarten. Von welcher Baumart das versteinerte Harz stammt, war jedoch rätselhaft.
Die Gruppe nahm das Material mit einer Reihe von Untersuchungsmethoden unter die Lupe. Demnach unterscheidet sich der französische Bernstein in seiner Zusammensetzung deutlich von Bernstein aus dem Ostseeraum. Unter anderem konnten die Forscher eine bislang unbekannte Verbindung isolieren, deren Grundgerüst von 20 Kohlenstoffatomen gebildet wird, die untereinander zu vier Ringen verknüpft sind. Nach dem Fundort tauften sie dieses Diterpen auf den Namen Quesnoin.
Eine ganz ähnliche Verbindung, die in den urzeitlichen Bäumen als Vorstufe des Quesnoins fungiert haben könnte, wird heute von Johannisbrotbäumen der Gattung Hymenaea produziert. Die Gattung wächst in Südamerika und auf den Antillen und produziert neben dem Jatobá-Holz auch das duftende Animé-Harz. Am ehesten lässt sich der französische Bernstein mit dem Harz der Art Hymenaea oblongifolia vergleichen, fanden Jossang und Kollegen.
Forschung: Jean Jossang und Akino Jossang, Laboratoire de Chimie des Substances Naturelles, Muséum national d’Histoire naturelle, Paris; und andere
Veröffentlichung Journal of Organic Chemistry, DOI 10.1021/jo701544k
WWW:
Muséum national d’Histoire naturelle, Paris
Amber – Window to the Past
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Forst-Ökologie in Bernstein
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