Mausmakis wählen heimlich
Mittwoch, 19. Dezember 2007, 18:05 • Rubrik Biologie, Genetik.
Weibliche Mausmakis sind in einer einzigen Nacht im Jahr empfängnisbereit – und dann entsprechend umlagert von Männchen. Unter diesen Umständen scheinen die Weibchen eine “heimliche” Auswahl zu treffen, haben deutsche Forscherinnen ermittelt. Welcher der vielen Geschlechtspartner letztlich Vater wird, bleibt nicht dem Zufall überlassen, sondern hängt auch von der jeweiligen Genausstattung ab.
Demnach beeinflussen die Körper, wessen Spermien bei der Befruchtung zum Zuge kommen. Der Vorzug dieser nachträglichen Art der Partnerwahl könnte in einer Abwägung von Kosten und Nutzen liegen, erläutert Simone Sommer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin: “Vermutlich ist es für die Weibchen zu kräftezehrend, mehrere Paarungswillige abzuwehren.”
Sommer und ihre Doktorandin Nina Schwensow studierten Graue Mausmakis (Microcebus murinus) in den Trockenwäldern im Westen Madagaskars. Von praktisch allen Tieren in der Population gibt es eine DNA-Probe und von vielen Jungtieren ist zudem der komplette Stammbaum bekannt. Diese Daten verknüpften die Forscherinnen mit Beobachtungen von 21 Weibchen, die Manfred Eberle vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen angestellt hatte. In ihrer empfängnisbereiten Nacht waren die Weibchen demnach von bis zu 14 Männchen aufgesucht worden, mit bis zu 7 davon hatten sie sich auch gepaart.
Für ihre Studie konzentrierten sich die Forscherinnen auf die MHC-Gene (Major Histocompatibility Complex) – eine Gruppe von Genen, die eine entscheidende Rolle für die Arbeit des Immunsystem spielt. Wahrscheinlich kann es Krankheitserreger umso besser erkennen, je vielfältiger die individuelle Ausstattung mit MHC-Genvarianten ist.
Was die Paarung anging, schienen die MHC-Gene und Faktoren wie Statur und Verwandtschaftsgrad allerdings keine Rolle zu spielen, fanden Schwensow und Sommer. Anders jedoch bei der Vaterschaft: Die MHC-Gene der Väter waren nicht nur variantenreicher, sie unterschieden sich auch merklich häufiger von denen des Weibchens als bei reinen Zufallsbefruchtungen zu erwarten. “Dies könnte letztlich eine optimale Immunkompetenz für den Nachwuchs gewährleisten”, erklärt Schwensow. Für die Muttertiere bedeute das eine besonders risikoarme Investition in Austragen und Aufzucht des Nachwuchses.
Forschung: Nina Schwensow und Simone Sommer, Department Biologie der Universität Hamburg und Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin; Manfred Eberle, Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie, Deutsches Primatenzentrum/Leibniz-Institut für Primatenforschung, Göttingen
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2007.1433
WWW:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
Verhaltensökologie und Soziobiologie, Deutsches Primatenzentrum
Microcebus murinus
MHC – Erkenne Dich selbst!
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Neue Wieselmakis auf Madagaskar entdeckt
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